Samstag, 30.09.2017

08:30 - 10:00

Hörsaal 9

S313

Freie Beiträge - Kognition und Demenz

Moderation: H. Durwen, Düsseldorf; U. Müller-Werdan, Berlin

08:30
Digitalisierung kognitiver Assessments - Marktanalyse und Bedarfe von Nutzern
S313-01 

A. Steinert, A. Latendorf, U. Müller-Werdan; Berlin

Hintergrund: Zur Erfassung des kognitiven Status geriatrischer Patienten werden verschiedene neuropsychologische Testverfahren eingesetzt (z.B. CERAD-Testbatterie). Diese Verfahren werden zumeist durch einen Neuropsychologen papierbasiert durchgeführt, wodurch zahlreiche Informationen verloren gehen, die zwar wahrgenommen, aber nicht standardisiert erfasst werden.

Zielstellung: Ziel des vom BMBF geförderten Projektes Intera-KT ist die Digitalisierung validierter Testverfahren, um dadurch systematische Fehler in der Durchführung zu verringern, die Auswertung zu vereinfachen, eine ortsunabhängige Nutzung zu ermöglichen und Ressourcen einzusparen. Zudem können die erhobenen Daten digital kommuniziert werden. Weiterhin wird die Gewinnung zahlreicher Metainformationen (z.B. aus der Sprache oder aus dem Schriftbild) angestrebt.

Methodik: In einer umfangreichen Markt- und Anforderungsanalyse wurden Testverfahren zur Einschätzung des kognitiven Status hinsichtlich ihrer Digitalisierbarkeit und potentiell darstellbarer Metainformationen analysiert. Dazu wurden zunächst mittels einer umfangreichen Literaturrecherche Testverfahren zur Einschätzung der kognitiven Funktionen in allen neuropsychologischen Domänen identifiziert und die Ergebnisse mit Experten diskutiert.

Ergebnisse: Es konnten neuropsychologische Testverfahren zu allen neuropsychologischen Domänen bzw. kognitiven Funktionen dargestellt werden. Insgesamt fand sich eine Vielzahl bereits verwendeter Testverfahren, von denen sich jedoch nur eine begrenzte Anzahl zur Digitalisierung eignet. Ein Grund dafür war, dass für die Durchführung zahlreicher Testverfahren die Interaktion mit einem Untersucher unabdinglich ist.

Ausblick: Die Digitalisierung der identifizierten Testverfahren wird innerhalb des Projektes technisch umgesetzt, die Auswertung standardisiert und eine altersgerechte Benutzungsoberfläche entworfen. Zudem wird eine Anbindung an einen Smartpen erfolgen, um die Usability des Systems zu erhöhen. Die digitalisierten Testverfahren werden abschließend in einer klinischen Studie hinsichtlich Objektivität, Validität und Reliabilität überprüft.

08:45
Steigerung körperlicher Aktivität bei geriatrischen Patienten mit Demenz - eine randomisiert-kontrollierte Studie
S313-02 

R. Pomiersky, C. Werner, B. Abel, K. Hauer; Heidelberg

Hintergrund: Sedentäres Verhalten und Apathie stellen wenig beachtete Symptome einer Demenzerkrankung dar. Erfolgreiche Studien zur Steigerung körperlicher Aktivität bei Demenzpatienten fehlen bislang weitgehend. Ziel der Studie ist die Überprüfung der Effekte einer Trainingsintervention mit demenzspezifischem Ansatz auf die körperliche Aktivität von Menschen mit Demenz.

Methodik: In einer randomisiert-kontrollierten Studie wurde bei 122 Demenzpatienten (Alter=82.6, MMSE=21.8) vor (T1) und nach 3 Monaten Training (T2), sowie nach 3 Monaten Follow-Up (T3) die körperliche Aktivität (Physical Activity Questionnaire for the Elderly: Gesamt-, Freizeit-, Haushalts- und Sportaktivität) erfasst. Basierend auf einem demenzspezifischen, patientenzentrierten Ansatz in beiden Gruppen, erhielt die Interventionsgruppe in einem supervidierten Gruppentraining ein Kraft- und Funktionstraining, die Kontrollgruppe eine unspezifische Hockergymnastik. Die Interventions- und Langzeiteffekte wurden mittels ANOVA (Messwiederholung T1-T2; T1-T3, Effektgröße: η²) für die Gesamtaktivität und deren Subgruppen berechnet.

Ergebnisse: Im Zeitraum T1-T2 wurden signifikante Interaktionseffekte für die Gesamt- (p<.001, η²=0.27) und Sportaktivität (p<.001, η²=0.40) verzeichnet. Für die Haushaltsaktivität wurde kein signifikanter Interaktions- (p=.63), jedoch ein signifikanter Zeiteffekt (p=.004, η²=0.09) festgestellt. Für die Freizeitaktivität zeigte sich weder ein signifikanter Interaktions- (p=.93) noch ein signifikanter Zeiteffekt (p=.34). Im Zeitraum T1-T3 wurden keine signifikanten Interaktionseffekte für die Gesamt- (p=.43), Haushalts- (p=.39) sowie Sportaktivität (p=.77) festgestellt. Signifikante Zeiteffekte ergaben sich für Gesamt- (p<.001, η²=0.17), Haushalts- (p=.004, η²=0.09) sowie Sportaktivität (p<.001, η²=0.17). Für die Freizeitaktivität ergaben sich kein signifikanter Interaktions- (p=.62) und kein signifikanter Zeiteffekt (p=.10).

Schlussfolgerung: Mit dem vorgestellten, demenzspezifischen Trainingsprogramm konnte die Gesamt- und Sportaktivität bei sedentären Demenzpatienten im Interventionszeitraum signifikant gesteigert werden. Über den Interventionszeitraum hinaus steigerten beide Gruppen signifikant ihre habituelle Aktivität (Sport-, Haushalts- und Gesamtaktivität).

09:00
Wirksamkeit von einer stationären Musik-(therapeutischen) Intervention bei Menschen mit Demenz
S313-03 

R. Dahms, M. Haesner, C. Eicher; Berlin

Gerade ältere Menschen mit einer leichten oder mittleren Demenz können von musiktherapeutischen Interventionen profitieren. Klinische Studien zeigen bereits einen positiven Einfluss von Musik auf die Stimmung, die Kognition sowie die Lebensqualität (Vasionyte & Madison, 2013). Zudem wurde bereits nachgewiesen, dass Musik bei Menschen mit Demenz (MmD) im ambulanten Pflegebereich das Problemverhalten reduzieren kann (Butterfield-Whitcomb, Kawata, & Collins, 2011). Jedoch existieren über die generelle Wirkung eines Einsatzes von Musik im Pflegeheim kaum Erkenntnisse.

In einer klinischen Pilotstudie „Singendes klingendes Pflegeheim“ wurde analysiert, welche Wirkung der Zugang von Musik für MmD auf das Wohlbefinden, die Reduktion von Agitiertheits- und Apathiephasen, sowie die Mobilität hat. Zudem wurde untersucht, welchen Einfluss die Musik- (therapeutische) Intervention auf die Lebensqualität der Pflegeheimbewohner hat.

Dazu wurden drei Pflegeheime mit insgesamt 30 Pflegeheimbewohnern innerhalb einer 8-wöchigen Interventionsphase mit verschiedensten Musikangeboten ausgestattet (z.B. Gruppen- und Einzelmusiktherapie, Hintergrundmusik beim Essen). Die Erhebung erfolgte sowohl durch systematische Beobachtungen (Dementia Care Mapping) der MmD, Befragungen der Pfleger (qualitativ und quantitativ, Fremdeinschätzung) an vier Zeitpunkten (baseline, prä, post, follow-up) und durch kontinuierliche Datenerhebung mittels Sensorarmbänder über 14 Wochen.

Die Studie zeigte, dass überwiegend das musiktherapeutische Angebot, bzw. das Musikangebot, welches personelle Ressourcen erforderte, wie z.B. das Tanzcafé, eine positive Wirkung auf die Menschen mit Demenz hatte. Überwiegend zeigten die MmD kurz nach Stattfinden der Einzelmusiktherapie aktive, kommunikative und wache Phasen, trotz teilweise eingeschränkter Mobilität. Zukünftig sollte vonseiten des Pflegeheimes darüber nachgedacht werden, unterschiedliche und individuelle Musikangebote täglich anzubieten, um die Reduktion der Agitiertheits- und Apathiephasen langfristig anzustreben.

09:15
Ehrenamtliche Demenzbegleiter im Krankenhaus: Best-Practice und Evaluation
S313-04 

E. Kaufmann, M. Gosch; Nürnberg

Menschen mit Demenz benötigen im Krankenhaus besondere Rahmenbedingungen, die ihre Bedürfnisse berücksichtigen (Zieschang&Bauer, 2017). Um die Situation im Akutkrankenhaus zu verbessern, werden zunehmend Konzepte demenzsensibler Versorgung umgesetzt (Büter u.a., 2016). Hierzu gehört auch der Einsatz ehrenamtlicher Demenzbegleiter. Seit 2012 schult das Klinikum Nürnberg Laien zur Begleitung von Menschen mit Demenz (Eggenberger u.a., 2013).

Ein Überblick über das Schulungscurriculum, das Akquise- und Auswahlverfahren, den Implementierungsprozess und die Qualitätssicherungsmaßnahmen wird gewährt, sowie die Ergebnisse einer Personalbefragung präsentiert.

Das pflegerische, ärztliche und therapeutische Personal von fünf geriatrischen und neurologischen Stationen mit insgesamt 126 Betten wurde mithilfe semi-strukturierter Fragebögen befragt. Auf diesen Stationen waren 28 Ehrenamtliche im Einsatz.

103 Pflegekräfte wurden um ihre Einschätzung gebeten, die Rücklaufquote betrug 33 Prozent. Im ärztlichen und therapeutischen Dienst war der Rücklauf so gering, dass diese aus der Auswertung ausgeschlossen wurden.

70 Prozent des pflegerischen Personals waren mit dem Einsatz der Ehrenamtlichen voll und ganz zufrieden, 30 Prozent eher zufrieden. Die Patienten profitieren nach Einschätzung des Personals vor allem im sozialen und stimmungsorientierten Bereich, aber auch emotional, kognitiv und motorisch.

Die Evaluation zeigt exemplarisch den hohen Mehrwert, der für Personal und Patienten durch den Einsatz von geschulten Laien entsteht. Sie weist darauf hin, dass mit Hilfe geeigneter Prozesse die Widerstände bei der Implementierung aus dem Weg geräumt werden können.

Eine Befragung der betroffenen Patienten ist aus ethischen und forschungsmethodologischen Gründen schwierig. Sie wäre dennoch anzustreben, u.U. in Kombination mit einer Befragung der Angehörigen, um die Einschätzung des Pflegepersonals abzusichern.

09:30
Training in dementia care - How a whole organisation qualifies their staff members
S313-05 

K. Weil, U. Sottong; Flensburg, Köln

In 2011 Malteser in Germany adopted a strategy for the whole organisation (with ca. 80.000 employees and volunteers) and all their activities with reference to persons with progressive cognitive impairment and their relatives. The aim of this strategy is to develop a unique kind of approach to and care for individuals afflicted with dementia. By the end of the year 2018, the Maltesers aim to have a system for dealing with dementia, globally applied throughout the organisation. This system is consistent with the conviction that particularly a person suffering from dementia and their relatives are in need of care. By the end of 2018, all full-time employees and 80 % of our volunteers who are regularly in contact with people suffering from dementia, will have received an appropriate training. A long-term objective is to develop an impact that goes beyond the internal area to affect society as a whole and to offer special trainings. Meanwhile curricula for the training of different targets group (e.g. doctors, nurses, medical ambulance drivers, emergency medical assistants, technical staff, daily assistants, housekeepers, etc.) have been developed and brought into practice. Since 2015 these trainings are also offered to employees and volunteers outside the Malteser organisation. The implementation of the strategy incl. the different challenges will be presented.

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