Freitag, 29.09.2017

15:30 - 16:45

Posterausstellung

PG3

Pharmakologie, Kasuistiken (P30 - P34)

Moderation: M. Wehling, Mannheim; H. Burkhardt, Mannheim

15:30
Ist eine medikamentöse Verlängerung der maximalen Lebenserwartung (derzeit) realistisch?
P30 

K. Hager; Hannover

Hintergrund: Die Zahl der Publikationen über Substanzen mit lebensverlängernder Wirkung ist noch klein, nimmt aber rasch zu. Ziel ist es, die bislang bekannten Ergebnisse zu bewerten.

Methode: Theoretische Erwägungen, Literaturanalyse

Ergebnisse: Substanzen mit einer möglichen lebensverlängernden Wirkung sollten geeignet sein die maximale Lebenserwartung zu steigern. Eingesetzt werden verschiedene Testsysteme, z.B. Zellkulturen, Hefen, einfache Organismen mit geringer Lebensspanne (z.B. C. elegans), Ratten oder Mäuse. Um eine große Zahl an Substanzen in kurzer Zeit zu testen wären vor allem die erstgenannten Ansätze denkbar. So wurden beispielsweise für Rapamycin, Metformin oder Acarbose mögliche lebensverlängernde Effekte postuliert. Für Koffein, Kakao und mehrere experimentelle Substanzen (z.B. SIRT1720, PBA) wurden ebenfalls Effekte publiziert. Resveratrol und Simvastatin hingegen scheinen keine positive Wirkung zu besitzen. Als Angriffspunkte werden u.a. die Sirtuine oder die Signaltransduktion (mTor) genannt.

Schlussfolgerung: Es finden mittlerweile ernstzunehmende Untersuchungen zur lebensverlängernden Wirkung von Substanzen/Medikamenten statt. Der Wirkungsnachweis sowie die gefahrlose Anwendung für den Menschen sind aus methodischen Gründen allerdings schwierig.

15:30
Prescribing Optimization by using FORTA: Results from the VALFORTA study at the individual drug level (FORTAMED)
P31 

F. Pazan, H. Burkhardt, H. Frohnhofen, C. Weiß, C. Throm, A. Kuhn-Thiel, M. Wehling; Mannheim, Essen, Frankfurt am Main, Bad Dürkheim

Clinical trials on the efficacy and safety of medications often do not involve elderly people. Therefore, there is a lack of evidence as to the appropriateness of numerous drug treatments in older people. Certainly, these facts often turn the drug therapy of older people into a “field experiment”. To address this problem, the FORTA classification (A: Absolutely; B: Beneficial; C: Careful; D: Don’t) was proposed as a clinical aid for physicians. The FORTA List was developed in a Delphi process. To evaluate the effectiveness of FORTA we conducted a prospective randomized controlled study in hospitalized elderly patients. Nearly half of our patients received standard care and the other half received standard care plus the FORTA method. In this study, we separately tested changes of drug prescriptions at the anatomical-therapeutic-chemical system (ATC) level for eleven important diagnoses and compared over- and undertreatment rates between the groups. At the individual drug/drug group level, eight items (e.g. acetylsalicylic acid to treat coronary heart disease) were significantly altered by FORTA when use changes between admission and discharge were compared between groups. In addition, FORTA also significantly improved undertreatment (e.g. beta receptor blocking agents or statins to treat coronary heart disease) or overtreatment (e.g. thiazides to treat heart failure) for seventeen drugs/drug groups. Based on this study, FORTA is the first combined positive/negative labelling approach at the individual drug level which is effective in eliminating inappropriate prescribing and certainly improves the drug treatment of older people.

15:30
Pneumothorax im Röntgen, immer die richtige Diagnose?
P32 

A. Lostun; Nürnberg

Anamnese: Ein 70-jähriger Patient wurde in unserer Hautklinik wegen Beinödemen mit chronischem Ulcus des rechten Unterschenkels stationär aufgenommen. Bei zunehmender Dyspnoe im Verlauf kam auf Vermittlung unseren Dermatologen zur internistischen Mitbeurteilung. Der Patient berichtete über Belastungsdyspnoe ohne Husten. Die Sauerstoffsättigung unter Raumluft lag bei 97%. RR 150/90 mmHg.   Vorerkrankungen: art. Hypertonie, perm. VHF, Herzinsuffizienz, Alzheimer-Demenz, Z.n. Humerusfrakturlinks bei Autounfall

Körperlicher Untersuchungsbefund: Pat in reduziertem AZ, Cor arrhythmisch, normofrequent, keine Herzgeräusche. Pulmo :Atemgeräuschrechts deutlich abgeschwächt bis fehlend, links o.B. Perkussion: Verminderung der Atemverschieblichkeit rechts, Klopfschalldämpfung über die rechte Lunge, sonorer Klopfschall links. Abdomen: weich, kein Druckschmerz, keine Resistenzen, reizlose Laparatomienarbe, links im Oberbauch. Narbenbruch von ca. 10x10cm ohne Einklemmungserscheinungen. Beine: Unterschenkelödeme beidseits,am rechten Unterschenkel Hautrötung mit multiplen nässenden offenen Stellen sowie großflächigen Hautschuppen.

Befunde: Röntgen-Thorax: Bild eines ausgedehnten Pneumothorax rechts.
Aufgrund der Diskrepanz zwischen dem Röntgen-Bild (ausgedehnter Pneumothorax) und klinischem Untersuchungsbefund ( Pat hatte keine Ruhedyspnoe , bei Pneumothorax findet man eher ein hypersonorer Lungenklopfschall, hier war der Lungenklopfschall jedoch gedämpft) entschieden wir uns für die Durchführung eines CT-Thorax. Dabei zeigte sich eine ausgedehnte intrathorakale Herniation rechts thorakal. Die rechte Colonflexur war durch das Diafragma bis auf Höhe des Aortenbogens herniert.

Diagnose: Es wurde die Diagnose einer diaphragmalen Hernie mit großer intrathorakalen Darmherniation rechts gestellt. Anamnestisch hatte der Patient vor Jahren einen Autounfall gehabt. Die traumatische Zwerchfellhernie durch Ruptur ist in manchen Fällen nicht gleich erkennbar und entwickelt sich oft erst in Monaten oder Jahren.

Therapie: Der Patient wurde chirurgisch vorgestellt. Es wurde eine operative Sanierung empfohlen. Dies wurde mit dem Patienten und seiner Betreuerin besprochen. Es wurde zunächst auf ein abwartendes Vorgehen geeinigt.

Fazit: Beim röntgenologischen Nachweis eines Pneumothorax ist die klinische Untersuchung des Patienten einschl. Perkussion entscheidend für die weitere Therapie.

11:31
Erstdiagnose einer HIV Infektion (HIV Encephalopathie) im Rahmen einer kognitiven Abklärung - ein Fallbericht
P33 

C. Fuchs, B. Buchwald-Lancaster, A. M. Schwarz; Zofingen/CH, München

Die Aufnahme der 75 jährigen Patienten erfolgt zur Abklärung eines therapierefraktären Sturzsyndroms, zunehmender Gangunsicherheit, AZ Verschlechterung und anamnestisch berichteter kognitiver Auffälligkeiten.

Nach Anamnese, neuropsychologischer und klinischer Untersuchung ergab sich laborchemisch im Rahmen der u.a. kognitiven Abklärung die Erstdiagnose einer HIV Infektion.  Anamnestisch war diese auf eine sexuelle Uebertragung während mehrerer Karibikaufenthalte in letzten Jahren zurückzuführen. Bildgebend zeigten sich in der cMRT Zeichen einer HIV Encephalopathie. Hämatologisch bestand eine HIV Infektion im Stadium C3 (CD 4: 160/micl).

Nach ausführlichen weiteren infektiologischen diagnostischen Massnahmen (Liquoruntersuchung, Augenarzt, Bornchoskopie incl. Bronchiallavage bei V.a PCP Pneumonie) wurde eine anti-retrovirale Mediaktion begonnen.

Bereits nach 4 Wochen berichtete die Patientin eine deutlich subjektive AZ Verbesserung (v.a. der kognitiven Fähigkeit), Abnahme der Gangunsicherheit und Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit.

Schlussfolgerung:

Differentialdiagnostische Einbeziehung der HIV Infektion auch im Alter und die HIV Encephalopathie als Differentialdiagnose bei der kognitiven Abklärung sind empfehlenswert (sieh S3 Leitlinie Demenz). Zudem gilt es die Anamnese bzgl. Sexualverhalten und Reiseanamnese auch bei geriatrischen Patienten zu beachten.

15:30
Häufigkeit und klinische Präsentation von Patienten mit Harnweginfekten im Zusammenhang mit Antibiotikaresistenz der verursachenden Bakterien in einem städtischen geriatrischen Universitätsklinikum
P34 

J. Kruppa, V. Aykac, A.-S. Endres; Berlin

Wir führten eine retrospektive Analyse des Krankenhausinformations- und des Laborinformationssystems von 2016 durch und identifizierten Patientenfälle mit ICD10-Kodierungen, die Symptome der abführenden Harnwege (LUTS) kodieren. Laborchemische Parameter für Infektionsmarker erhielten wir aus den Patientenakten. Von den 2819 Fällen, die 2016 vom EGZB versorgt wurden, registrierten wir 920 Fälle mit LUTS (33 %).

Die bisherige Analyse von275 Patienten zeigte mit 36,9 einen niedrigen mittleren Barthel-Index bei Aufnahme im Vergleich zur Gesamtpopulation. Die durchschnittliche CRP-Konzentration betrug zum Zeitpunkt der Urinanalyse 43.8 mg/dl, die Leukozytenzahl 9.38/nl. Bei der Aufnahme hatten 88 (32%), bei der Entlassung 98 (36%) Fälle ein Delir. Die mittlere Verweildauer war bei Patienten mit LUTS mit 21 Tagen um einen Tag länger als bei der Gesamtpopulation.

Insgesamt wurden für das Jahr 2016 1892 Urinkulturen veranlasst, von denen 979 Mittelstrahlurine (51,7%), 482 Dauerkatheterurine (25,5%), 324 Einmalkatheterurine, 32 Punktionsurine und 70 nicht näher bezeichnete Urine waren. Aus 1110 Proben konnte ein Keim isoliert werden. Am häufigsten wurden Escherichia coli [366 (33%)], gefolgt von Enterococcus faecalis [166 (15%)] isoliert. Insgesamt waren 130 (12%) Keime multiresistent. Die Gesamtresistenzrate gegen Ciprofloxacin belief sich auf 38%, gegen Cotrimoxazol auf 44%.

Zusammenfassend lässt sich an einem geriatrischen Krankenhaus ein hoher Anteil von LUTS nachweisen. Diese waren mit einem niedrigen Barthelindex, mit nur leicht erhöhten Infektparametern und mit Delir assoziiert. Es zeigten sich mit lediglich 12% wenig multiresistente Keime. Eine Analyse, ob weitere Parameter, wie Haupt- und Nebendiagnosen, Verweildauer, Alter und klinische Präsentation im Zusammenhang mit Keimart, Therapie und Resistenzen stehen, wird derzeit durchgeführt.

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