Freitag, 29.09.2017

15:30 - 16:45

Posterausstellung

PG6

Netzwerke, Entwicklungen, Kooperationen (P60 - P68)

Moderation: B. Heimbach, Freiburg; M. Gosch, Nürnberg

15:30
Fracture Liaison Service Nürnberg - Erste Ergebnisse und Erfahrungen
P60 

M. Erlekampf, S. Wicklein, S. Reinmann, M. Gosch; Nürnberg

Die Sekundärprohpylaxe nach Fragilitätsfrakturen in Deutschland ist nach wie vor unbefriedigend. Nur 15 % der Patienten mit einer osteoporosebedingten Fraktur erhalten eine indikationsspezifische Arzneimitteltherapie. Eine konsequente Osteoporosebehandlung nach Fragilitätsfrakturen führt hingegen zu einer signifikanten Reduktion von Folgefrakturen. Durch die Implementierung einer FLS-Nurse kann der Anteil der Patienten mit einer Osteoporosetherapie signifikant gesteigert werden.

Seit dem 1.April 2017 verstärkt eine FLS-Nurse das Team der Alterstraumatologie am Klinikum Nürnberg. Ziel ist eine qualitative und quantitative Verbesserung der Osteoporosetherapie bei stationären Patienten mit Fragilitätsfrakturen. An Hand eines strukturierten Erhebungsbogens werden die betroffenen Patienten im Hinblick auf funktionelle Parameter, Risikofaktoren für Osteoporose sowie Begleiterkrankungen evaluiert. Die erhobenen Daten werden im therapeutischen Team besprochen. Die empfohlenen Maßnahmen werden ebenfalls dokumentiert. Um die Umsetzung dieser Maßnahmen beurteilen zu können, sind telefonische 3 Monatskontrollen vorgesehen.

Im Rahmen der Posterpräsentation sollen erste Ergebnisse sowie Erfahrungen aus den Beratungsgesprächen präsentiert werden.

15:30
Functionality and Outcome in Older Patients with severe Aortic Stenosis FOOPAS
P61 

S. Wicklein, F. Vogt, J. Jessl, D. Eckner, M. Pauschinger, T. Fischlein, S. Pfeifer, W. Hitzl, M. Gosch; Nürnberg, Salzburg/A

Hintergrund: Aufgrund des demographischen Wandels kommt es zu einer Zunahme von alten und hochaltrigen Patienten, welche einen herzchirurgischen Eingriff bzw. eine invasive kardiologische Intervention benötigen. Die Aortenstenose stellt dabei die häufigste Indikation dar. Sowohl der konventionelle Aortenersatz als auch die TAVI zeigen auch bei alten Patienten ein gutes Outcome im Hinblick auf die Mortalität . Die Entscheidung für die Form des Aortenklappenersatzes basiert primär auf kardialen Parametern und auf der empirischen Einschätzung des Behandlungsteams und nicht auf einem standardisierten Verfahren unter Berücksichtigung der Funktionalität des Patienten. Geriatrische Assessmentverfahren sind noch nicht in den Prozess der Indikationsstellung implementiert. Das überraschend gute Outcome der Verfahren zum Aortenklappenersatz legen auch den Schluss nahe,dass noch mehr Patienten von einer Intervention profitieren könnten. Um diese Frage zu klären, ist es erforderlich, Daten über den Prozess der Indikationsstellung unter dem Gesichtspunkt der Funktionalität im Rahmen einer klinischen Studie zu erheben.

Methode: Die Studie ist als prospektive Kohortenstudie mit 300 Patienten mit einer Gesamtstudiendauer von 24 Monaten geplant.
Eingeschlossen werden Patienten ≥ 75 Jahre mit einer interventionsbedürftigen isolierten Aortenklappenstenose. Ausschlusskriterien sind Voroperationen am Herzen, ein akutes Koronarsyndrom innerhalb der letzten 4 Wochen sowie eine terminale Erkrankung mit einer erwarteten Lebenszeit < 12 Monate. Zunächst werden die kardiologischen Untersuchungen im Rahmen der Voruntersuchungen und zur Indikationsstellung erfasst und dokumentiert. Nach der Indikationstellung wird ein umfassendes Geriatrisches Assessment durchgeführt. Neben dem Assessment erhalten alle Patienten eine geriatrische Beurteilung mit dem Ziel einer Optimierung ihrer Funktionalität. Es erfolgen postinterventionelle Untersuchungen bezüglich des perioperativem Outcomes im Rahmen des stationären Aufenhaltes.
Nach 3 Monaten wird das das “short-term Outcome” sowie nach 12 Monaten das “long-term Outcome “mittels eines umfassenden geriatrischen Assessments erfasst.

Ziele: Funktioneller Parameter bei alten Patienten mit hochgradiger Aortenstenose sowie deren prädiktiven Wert auf das Outcome sollen bestimmt werden. Ergänzend werden primäre und sekundäre Outcomeparameter wie Mortalität, kardiovaskuläre Mortalität, Lebensqualität, Funktionalität Komplikationen, kardiovaskuläre Komplikationen, Primär- und Sekundärkosten erfasst.

15:30
Entwicklung eines Leistungserfassungskatalogs für ATP-G
P62 

A. Wittrich, A. Kuphal, P. Jahn, K. Helbig, S. Holtmann; Berlin, Radeburg, Halle (Saale)

Einführung: Mit der Einrichtung der Expertinnen- und Expertenkommission „Pflegepersonal im Krankenhaus“ im Rahmen des Krankenhausstrukturgesetzes hat der Gesetzgeber unter anderem die Notwendigkeit einer „Abbildung und Verbesserung des erhöhten Pflegebedarfes, insbesondere von […] pflegebedürftigen Patientinnen und Patienten“ erkannt. Bei der „Aktivierend-therapeutischen Pflege in der Geriatrie“ (ATP-G) zeigt sich die Notwendigkeit einer patienten- und bedarfsgerechten Pflegepersonalausstattung besonders deutlich: Die ATP-G als etabliertes Pflegekonzept mit dem Ziel des Erhalts und der Wiederherstellung der Selbstständigkeit betagter und hochbetagter Menschen geht in ihrem Umfang und zeitlichen Anforderungen an das Pflegepersonal deutlich über eine Grund- und Behandlungspflege hinaus.

Ziele: Ausgehend von der Feststellung, dass diese überdurchschnittlich hohen Zeit- und Personalaufwände im Entgeltsystem und bei Personalbedarfsplanungen bisher nicht hinreichend berücksichtigt werden, hat der Bundesverband Geriatrie das verbandsinterne Projekt „Entwicklung eines Leistungserfassungskatalogs für ATP-G“ initiiert. Ziel war dabei die Entwicklung einer realistischen und aufwandsentsprechenden Kalkulationsgrundlage der ATP-G.

Methodik: In insgesamt 13 Mitgliedseinrichtungen des Bundesverbandes Geriatrie wurden zu diesem Zweck im Frühjahr 2016 mittels eines elektronischen Erfassungstools Daten zu 1.480 Patientenfällen erhoben: Einrichtungs- (Personal- und Infrastrukturausstattung) und patientenbezogene (Alter, Pflegestufe) Stammdaten sowie regelmäßig auftretende und routineförmig zu erfassende Daten des Patienten und seiner Pflege durch die ATP-G (Barthel-Index, PKMS, PPR und minutengenaue Zeitwerte des ATP-G-Katalogs).

Ergebnisse: Mit dem Projekt wurde die These der Erforderlichkeit einer quantitativ höheren Personalausstattung zur erfolgreichen Anwendung der ATP-G bestätigt: Die erfassten Soll-Werte pro Patient und Tag liegen im Durchschnitt aller Einrichtungen 25 Minuten über den Ist-Werten, die der tatsächlich zur Verfügung stehenden Zeit entsprechen. Zugleich wurde der überwiegende Teil der Patienten bei der Entlassung in eine Bedarfsgruppe mit geringeren Ausmaßen bei Einschränkungen und Defiziten eingeordnet als bei der Aufnahme, was den Erfolg der ATP-G bestätigt.

15:30
Demographischer Wandel in Deutschland: Eine Analyse der beiden führenden Gründe für Hospitalisierung
P63 

H. J. Heppner, S. Störk, M. Dörr, M. Christ, M. Müller, U. Riemer, R. Wachter; Schwelm, Würzburg, Greifswald, Luzern/CH, Basel/CH, Nürnberg, Göttingen

Hintergrund: Der demographische Wandel, d.h. eine Zunahme der Zahl älterer Menschen (und ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung) mit einer damit einhergehenden Zunahme an Komorbiditäten, wiederspiegelt sich auch in der Entwicklung der beiden führenden Gründe für Hospitalisierung, „Geburt" (Z38) und "Herzinsuffizienz" (I50). Wir haben für den Zeitraum von 2000/2004 bis 2015 Daten der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) für beide Diagnosen ausgewertet.

Methoden: Bei der GBE (www.gbe.de) handelt es sich um eine Vollerhebung aller stationären Patienten in Deutschland anhand der ICD-10-GM-Hauptdiagnose, die als lange Reihe für den Zeitraum von 2000 bis 2015 vorliegt. Diese Daten der Krankenhausdiagnosestatistik des Statistischen Bundesamtes haben wir für die beiden führenden Gründe für Hospitalisierung analysiert.

Ergebnisse: Daten zur Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz bzw. Geburt waren von 2000 bzw. 2004 bis 2015 verfügbar. Die Zahl der Hospitalisierungen wegen Geburt nahm um 1,55 %/Jahr zu, von 444.306 (2004) auf 526.437 (2015) [+82.131, +18%]. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um 4,96 %/Jahr zu, von 260.803 (2004) auf 444.632 (2015) [+183.829, +70%]. Herzinsuffizienz ist damit der bei weitem häufigste Grund für krankheitsbedingte Hospitalisierung in Deutschland. Wenn sich diese Trends fortsetzen, wird die Zahl der Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz die der Hospitalisierungen wegen Geburt ab dem Jahr 2020 übertreffen.

Schlussfolgerung: Herzinsuffizienz ist bereits heute der häufigste Grund für krankheitsbedingte Hospitalisierung in Deutschland. Aufgrund der ausgeprägten Zunahme der Zahl der Hospitalisierungen um ~ 5 %/Jahr bedarf es größerer Aufmerksamkeit für diese Erkrankung und verstärkter Bemühungen in Prävention und Management. Aufgrund des demographischen Wandels ist mit einer weiteren Zunahme der Zahl der Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz zu rechnen; die Zahl der Hospitalisierungen wegen Geburt nahm dagegen nur langsam zu. Manche Regionen könnten daher die Umwandlung von Kreißsälen in Herzinsuffizienzkliniken erwägen.

15:30
Ist eine Gedächtnissprechstunde über eine Ermächtigung finanziell machbar?
P64 

K. Hager, M. Kenklies; Hannover

Hintergrund: Die Gedächtnissprechstunde am Zentrum für Medizin im Alter in Hannover besteht seit 1995. Pro Jahr stellen sich etwa 400 abrechenbare Regelleistungspatienten vor. Es besteht eine Ermächtigung durch die Kassenärztliche Vereinigung auf Zuweisung durch niedergelassene Neurologen und/oder Psychiater. Nach einer Anamnese und einer umfangreichen neuropsychologischen Testung werden die Ergebnisse mit dem Patienten und seinen Angehörigen erörtert. Anschließend wird ein Brief an den zuweisenden Arzt geschrieben und dabei zwischen Neuropsychologin und Arzt ausführlich diskutiert. Darüber hinaus muss Zeit zum Einholen der Befunde, für Rückfragen beim Hausarzt usw. eingeplant werden. Dies nimmt wenigstens 120 min pro Patient in Anspruch.

Methoden: Die Einnahmenaus der Ermächtigungssprechstunde in 2013 werden mit der Zahl der behandelten Patienten sowie dem dafür nötigen Zeitaufwand verglichen.

Ergebnisse: In 2013 wurden 403 Regelleistungspatienten gesehen, für die 26.881,45 Euro an Honoraren gezahlt wurden. Rechnet man 30% Sachkosten (8.064,44 Euro) von diesen Einnahmen ab, dann ergibt sich ein Betrag von 18.817,0,2 Euro, der für Personalkosten zur Verfügung steht, also 46,69 Euro pro Patient. Nimmt man zwei Stunden als pro Patient benötige Zeit an, dann wären dies 23,35 Euro pro Stunde für Neuropsychologin bzw. den ermächtigten Arzt.

Zusammenfassung: Das Betreiben einer Ermächtigungssprechstunde zur Abklärung von kognitiven Defiziten in der beschriebenen Organisation ist nicht kostendeckend. Weitere Einnahmen entstehen jedoch beispielsweise durch Privatpatienten, die Durchführung von Studien sowie durch Effekte für den stationären Bereich (Diagnostik bei stationären Patienten, Aufnahme zur Diagnostik), so dass nur der Hinweis auf eine Mischkalkulation bleibt oder eine wesentlich Reduktion des Zeitaufwandes pro Patient.

15:30
Management geriatrischer Syndrome bei hochaltrigen Krebspatienten: Erste Versorgungsdaten aus einer neu gegründeten Sektion für Onkogeriatrie
P65 

A.-S. Schmidt, A. Frey, J. Thönes, T. W. Köninger, R.-J. Schulz, V. Goede; Köln

Empfehlungen zufolge sollen geriatrische Syndrome bei hochaltrigen Krebspatienten nicht nur bei der onkologischen Therapieentscheidung beachtet, sondern auch selbst einem gezielten Management zugeführt werden. Dafür geeignete Versorgungsstrukturen sind in Deutschland aber bisher kaum etabliert.

Wir berichten erhobene Versorgungsdaten seit Gründung einer Sektion für Onkogeriatrie innerhalb der Klinik für Geriatrie am St. Marien-Hospital in Köln. Angemeldete Patienten mit einer onkologischen Zuweisungs- bzw. prominenten Nebendiagnose wurden gezielt in eine Sektion für Onkogeriatrie gesteuert und dort nach Evaluation geeigneten Interventionen zugeführt.

Von Januar bis März 2017 wurden insgesamt 60 onkogeriatrische Patienten rekrutiert (28 Frauen und 32 Männer, medianes Alter 80 Jahre, medianer Barthel-Index 45 Punkte). Die meisten wurden aus vorbehandelnden Krankenhäusern zugewiesen (9 aus onkologischen Klinken, 16 nach erfolgter Tumorchirurgie, 33 aus Klinken ohne onkologischen Fokus). Zuweisungsveranlassende geriatrische Syndrome waren Immobilität und Sturzneigung (82%), Delir (10%) und Ernährungsprobleme (8%). In 58% bzw. 32% der Fälle war dabei die Tumorerkrankung/-behandlung auslösend für die Zuweisung bzw. bedeutsam für die geriatrische Therapie. Das Spektrum der Tumorerkrankungen umfasste solide (72%) und hämatologische (28%) Malignome (häufigste: Kolonkarzinom, Prostatakarzinom, Lymphome). Bei 10 Patienten (17%) wurde eine Chemotherapie unmittelbar vor oder nach Aufenthalt in der Sektion vorgenommen (FOLFIRI, CHOP, BEACOPP u.a.). Orale Tumortherapien wurden während des Aufenthaltes bei 7 Patienten (12%) weitergeführt (Bicalutamid, Emestan, Hydroxurea, Dasatinib, Nilotinib, Venetoclax). Zwei Patienten (3%) erhielten eine Bestrahlung. Von 52 Patienten mit beendetem Aufenthalt wurde bei 63% eine geriatrische Komplexbehandlung kodiert. Bei diesen Patienten gelang im Median eine Verbesserung des Barthel-Index um 10 Punkte. Von den insgesamt 60 rekrutierten Patienten sind 4 während des Aufenthaltes in der Sektion verstorben.

Durch Sektionsbildung können hochaltrige, onkologische Patienten in einer geriatrischen Akutklinik gebündelt behandelt werden. Wenn eine geriatrische Komplexbehandlung realisiert werden kann, sind funktionelle Verbesserungen zu erwarten.

15:30
REGIO-GERIATRIE - koordinierte multiprofessionelle Versorgung Umfrage zu Optimierungspotenzialen in der regional vernetzten Versorgung
P66 

S. Voigt-Radloff, J. Schulte, S. Klöppel, B. Heimbach; Freiburg

Hintergrund und Fragestellung: Zunehmend wird die Etablierung regionaler geriatrischer Versorgungsnetzwerke mit interdisziplinärer Ausrichtung gefordert. Daher führte das Geriatriezentrum Freiburg eine Umfrage durch, um Versorgungsangebote, Vernetzungsstrukturen und Fortbildungsbedarfe geriatrischer Akteure der Region zu ermitteln und Optimierungspotenziale zu identifizieren.

Methodik: Für eine Vollerhebung bei ambulant tätigen Ärzten, Therapeuten und Pflegediensten sowie bei Pflegeheimen und Beratungsstellen wurde ein semistrukturierter Fragebogen literaturbasiert entwickelt und nach Pilotierung online versendet.

Ergebnisse: Von 679 befragten Akteuren antworteten 14 Ärzte (Rücklaufquote: 15 %), 71 Therapeuten (20 %), 39 Pflegeeinrichtungen (20 %) und 9 Beratungsstellen (38 %). Die häufigsten geriatrie-spezifischen Angebote waren häusliche Betreuung, Sturzprophylaxe und Demenztherapie. Vernetzungsprobleme lagen im erhöhten Zeitbedarf für Übergabe und Versorgung geriatrischer Patienten und im verzögerten Informationsfluss. Verstärkte Fortbildungsbedarfe fanden sich insbesondere bei den Themen Immobilität und Inkontinenz.

Diskussion: Als Optimierungsmaßnahmen werden die multiprofessionelle Identifizierung von Patienten mit hohem Risiko für fragmentierte Versorgung und deren Case-Management über eine spezialisierte geriatrische Ambulanz diskutiert. Ebenso können in einer regionalen Geriatrie-Leitlinie evidenzbasierte Maßnahmen für Fortbildungen zu geriatrischen Kernthemen empfohlen und geriatrische Akteure für Patienten mit Rehabilitationsindikation und erhöhtem Risiko für fragmentierte Versorgung sensibilisiert werden.

15:30
Ethische, rechtliche und soziale Implikationen des digitalen Wandels partizipativ (mit)gestalten - Aachener DenkfabrEthik
P67 

A. Mertens, P. Rasche, C. Bröhl, S. Theis, M. Wille; Aachen

Das digitale Zeitalter bringt fundamentale Transformationen aller gesellschaftlichen Bereiche mit sich. Die Durchdringung des beruflichen und privaten Lebens eines jeden mit moderner Informations- und Kommunikationstechnologie nimmt mehr und mehr zu. Die Akteure dieser Transformation orientieren sich jedoch zurzeit häufig noch zu stark an dem was technisch möglich, wirtschaftlich vielversprechend oder politisch erwünscht ist und nicht vorrangig an den Bedürfnissen der Menschen. Ein entsprechendes Erfolgsmodell für die partizipative Identifikation der regionalen Potentiale aber auch Herausforderungen ist die Aachener DenkfabrEthik (www.denkfabrEthik.de).

Bisher war es für die fachfremde Öffentlichkeit und hierbei insbesondere für Personen, die durch altersbedingte, sprachliche, körperliche oder kulturelle Barrieren in der sozialen Teilhabe eingeschränkte sind, nahezu unmöglich, sich in diese Transformation aktiv einzubringen, um die Einflüsse und Auswirkungen auf die zahlreichen Bereiche ihres Lebens und zugehöriger gesellschaftlicher Facetten zum Wohle aller mit zu gestalten. Hierbei sind es vor allem folgende Themen, die ergebnissoffen und auf Augenhöhe mit allen direkt und indirekt involvierten Akteure adressiert werden müssen:

- Die Identifizierung und Diskussion aktueller ethisch, sozial und rechtlich relevanter Fragestellungen, die sich durch die Digitalisierung in der Praxis ergeben.

- Sensibilisierung für ethische und soziale Implikationen technischer Neuerungen.

- Unterstützung einer nachhaltigen Gestaltung technischer Systeme und Organisationen.

- Entscheidungskompetenz von Individuen und Organisationen stärken.

Die Aachener DenkfabrEthik bildet als unabhängige Austausch- und Netzwerkplattform genau die hierfür benötigte Schnittstelle zwischen Bürgern, Wissenschaft und regionalen Entscheidungsträgern, die es ermöglicht die Implikationen der Technisierung proaktiv zu erfassen und zu vermitteln. Aktiv unterstützt wird die Initiative durch regionale Persönlichkeiten aus Religion, Kultur, Politik, Wissenschaft und Industrie.

15:30
Fachübergreifendes Knowhow gefragt - Interventionelle Kardiologie und Geriatrie als Partner bei der Behandlung hochaltriger Patienten mit Herzklappenerkrankungen und Frailty-Syndrom
P68 

A. Lambrecht, R. Hardt, R. S. von Bardeleben, C. Westphalen, M. Mohr; Mainz

Hintergrund: Die Entwicklungen auf dem Gebiet der interventionellen Kardiologie bieten zunehmend auch Behandlungsoptionen für hochaltrige Patienten mit Herzklappenerkrankungen. Hier sind in erster Linie die TF-TAVI und das MitraClip®-Verfahren zu nennen. Zur Beurteilung des perioperativen Risikos werden üblicherweise der STS-Score und der logistische Euro-Score herangezogen. Wichtiger erscheint jedoch die ärztliche Einschätzung mit Beurteilung der klinischen Gesamtsituation unter Berücksichtigung des Patientenalters und relevanter Komorbiditäten. Hierbei rücken zunehmend auch Instrumente des geriatrischen Assessments wie der Frailty-Index in den Interessenfokus. Aus geriatrischer Sicht ist diese Entwicklung begrüßenswert, da so die funktionellen Defizite und Ressourcen des einzelnen Patienten besser abgebildet werden können.

Fallpräsentation: 86-jährige Pat. mit globaler kardialer Dekompensation und Frailty-Syndrom. Primäre Aufnahme im Zentrum für Kardiologie. Hier wird eine schwere funktionelle Mitral - und Trikuspidalklappeninsuffizienz diagnostiziert. Es tritt ein kardiorenales Syndrom mit Notwendigkeit der intermittierenden Hämodialyse auf. In dieser Situation wird die Pat. in die Abteilung für Geriatrie übernommen.

Ziele: 1. Bestmögliche kardio-renale Rekompensation 2. Geriatrisches Assessment und Formulierung von Patienten-zentrierten Behandlungszielen 3. Geriatrische Komplexbehandlung zur Verbesserung der funktionellen Ausgangslage.

Verlauf: Der klinische und funktionelle Status der Pat. (NYHA-Klasse, Gehstrecke, Barthel-Index) kann stabilisiert und die Hämodialyse beendet werden. Die Pat. durchläuft komplikationslos einen interventionellen Zweiklappeneingriff mittels jeweils 1 MitraClip® in Mitral - und Trikuspidalklappenposition. Hiernach wird die Pat. bis zur Entlassung in der Abteilung für Geriatrie betreut.

Ergebnis: 1. Reduktion der NYHA-Klasse von IV auf II 2. Dialysefreiheit 3. Entlassung in die Häuslichkeit in gutem funktionellen Status.

Schlussfolgerung: Der Fall zeigt, dass hochaltrige Patienten mit Frailty-Syndrom und klinisch instabiler Ausgangslage erfolgreich einem interventionellen Klappentherapieverfahren zugeführt werden können. Unserer Ansicht nach kann die frühzeitige Integration der Patienten in eine geriatrische Komplexbehandlung wesentlich zu einem günstigen Behandlungsverlauf beitragen. Wünschenswert wäre eine systematische Untersuchungsreihe mit dem Ziel, einen fachübergreifenden Diagnose - und Behandlungspfad für diese spezielle Patientengruppe zu erarbeiten.

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