Freitag, 29.09.2017

15:30 - 16:45

Posterausstellung

PG2

Mobilität, Rehabilitation (P20 - P29)

Moderation: C. Becker, Stuttgart; G. Pinter, Klagenfurt/A

15:30
Sturzgeschehen trotz Rollatornutzung bei Senioren, die durch ambulante Pflegedienste betreut werden!
P20 

K.-D. Neander; Hamburg

Rollatoren werden zur Sturzprophylaxe für ältere Personen empfohlen. in zwei ambulanten Pflegediensten wurden alle Rollatornutzer/innen untersucht (n = 168) und zwei Gruppen miteinander verglichen: Die Gruppe derjenigen, die im Beobachtungszeitraum mit dem Rollator gestürzt waren (n = 73), mit der Gruppe, die nicht gestürzt waren. 

Die Gruppen wurden hinsichtlich Kognitition, Inkontinenz, Chair-Rise-Test und Handkraftmessung, Sehbeeinträchtigung und verordneter Medikamente miteinander verglichen. 

Bei den gestürzten Personen wurde eine ausführliche Sturzanalyse durchgeführt und die Sturzfolgen dokumentiert.

Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass Kräftemangel und Sehvermögen einen deutlichen, statistisch signifikanten Einfluss auf das Sturzgeschehen mit Rollater haben. Darüberhinaus zeigt die Untersuchung aber auch, dass bei nahezu allen Rollatornutzern, die Rollatoren selbst defekt waren.  

Die Verletzungen, die sich die Gestürzten zugezogen hatten, reichten von einzelnen Hämatomen bis zu komplizierten Oberschenkelhalsbrüchen.

Fazit: Personen, die einen Rollator verordnet bekommen sollen, müssen kräftemässig dazu in der Lage sein, diesen zu nutzen und es muß auf jeden Fall eine augenärztliche Untersuchung erfolgen.

15:30
Toilettensitzerhöhung als Sturzgefahr?
P21 

K.-D. Neander; Hamburg

Einleitung: Toilettensitzerhöhungen werden empfohlen, wenn Personen von der "normal-hohen" Toilette nur schwer oder gar nicht mehr - auch unter Nutzung von Haltegriffen - aufstehen können, ohne dabei zu stürzen.

Studienbeschreibung: 60 Klient_innen zwischen 62 - 90 Jahre, denen auf ihre Toilette eine solche Toilettensitzerhöhung montiert wurden, wurden bzgl. Sturzhäufigkeit vor und nach der Montage beobachtet und die Sturzgeschehen dokumentiert. Die Daten von 45 Klient_innen konnten ausgewertet werden.

Ergebnisse: Es konnte gezeigt werden, dass die Sturzhäufigkeit bei 37 der 45 Klient_innen unmittelbar deutlich anstieg, so dass betreuende Angehörige und Pflegekräfte der ambulanten Pflegedienste besonders intensiv die Klient_innen betreuen müssen, bis diese sich an die "neue Toilette" gewöhnt haben.

15:30
Das Ganglabor - innovative Gangrehabilitation in der Neurologie
P22 

K. Rogg, R. Buschfort; Bad Wünnenberg

In der Therapie erworbener zentraler Hirnschädigungen sind wissenschaftlich empfohlene Intensitäten durch konventionelle Therapieformen nicht realisierbar. Vor diesem Hintergrund hat die Aatalklinik Wünnenberg das Konzept eines gerätegestützten Ganglabors entwickelt, das Patienten auf unterschiedlichen Funktionsniveaus und ergänzend zur konventionellen Physiotherapie ein effektives Maß evidenzbasierter Gangrehabilitation erlaubt. Das Ganglabor besteht aus vier Gerätestationen (Balance-Trainer, Gangtrainer, Laufband und Easy Walk-System). Die Teilnehmer werden assessmentgeleitet kategorisiert und trainieren in definierten Kleingruppenkonstellationen (5P), angeleitet durch zwei Physiotherapeuten zielorientiert und individuell ihre Gehfähigkeit, Balance, Gehstrecke und -geschwindigkeit. Basierend auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde ein elektronischer Übungskatalog entwickelt, der unter Berücksichtigung der Ressourcen und Einschränkungen des Patienten, aber auch der entsprechenden evidenzbasierten Parameter geeignete Trainingsprogramme synthetisiert. Im Ergebnis sind aktuell 280 Therapieeinheiten pro Woche eingerichtet, die von durchschnittlich 93 neurologischen Patienten belegt werden. Eine gleichbleibende Behandlungsqualität kann durch den strukturierten Übungskatalog trotz wechselnder Therapeuten sichergestellt werden. Für den einzelnen Patienten erhöht sich die Therapieintensität für die Gangrehabilitation um bis zu 250%. Es werden ausgezeichnete Fortschritte erzielt, die aktuell in einer Pilotstudie ausgewertet werden. Auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ist das Ganglabor absehbar hoch effektiv. Ausschlaggebend für die Praktikabilität des Ganglabors im Rehabilitationsprozess ist die assessmentbasierte Kategorisierung der Patienten und die entsprechende Konstellation im Gruppensetting. Mit dem Ganglabor kann damit eine deutliche qualitative und quantitative Intensivierung der Gangrehabilitation nach höchsten Maßstäben der Effektivität und Effizienz realisiert werden.

15:30
Endurance Training in Normobaric Hypoxia Imposes Less Physical Stress for Geriatric Rehabilitation
P23 

S. Pramsohler, M. Burtscher, M. Faulhaber, H. Gatterer, L. Rausch, A. Eliasson, N. Netzer; Bad Aibling, Innsbruck/A, Maryland/USA

Rationale: Evidence suggests that training in hypoxia can be very effective even while requiring less physical effort. In this study, our aim was to measure the effect of endurance training under hypoxic conditions on pulmonary and cardiovascular parameters in an elderly population undergoing inpatient rehabilitation.

Methods: Forty patients over age 65 years with multiple co-morbid conditions were recruited during a three-week stay in geriatric rehabilitation. Patients were randomly assigned to a hypoxic (HG) or normoxic (NG) group. Hypoxia was generated using a normobaric hypoxia chamber (Randomized, single-blinded, placebo-controlled trial). HG patients completed seven training sessions of 30 minutes duration on a treadmill in a normobaric altitude chamber with inspired oxygen fraction (FiO2) of 15.27%, with 10 to 30 minutes active training. Training was conducted with target heart rate at 80% of maximum heart rate measured at peak oxygen consumption (VO2-peak). NG group performed similar training in sham hypoxia (room air or FiO2 = 20.94%). At baseline and at study completion, measures included: 1) cycle ergometry with ECG monitoring and measurement of VO2-peak, and 2) echocardiography for ejection fraction.

Results: The physical effort required of patients to reach target heart rate was reduced significantly (-28%, p=0.043) in the HG compared to NG. Cardiopulmonary parameters showed no differences between groups.

Conclusion: Endurance training at 3000 meters elevation imposes less stress on the locomotive systems while resulting in a similar physiological strain (i.e. heart rate). Hypoxic training holds promise for successful geriatric rehabilitation by being more accommodating to physical limitations in geriatric patients.

15:30
Sensor-basierte Messung des Zusammenhangs von Gleichgewichtsregulation und Mobilitätsleistungen bei älteren Menschen
P24 

T. Gerhardy, K. Gordt, M. Schwenk; Heidelberg

Fragestellung: Der Timed Up and Go Test (TUG) dient der Bestimmung funktioneller Mobilitätsleistung, erlaubt jedoch keine ursächliche Diagnose funktioneller Einschränkungen, d.h. ob bzw. welche Defizite der Gleichgewichtsregulation niedrigen TUG-Leistungen zugrunde liegen. Ein neuer sensorbasierter, instrumentierter TUG (iTUG) könnte möglicherweise spezifische Defizite der Gleichgewichtsregulation diagnostizieren. Diese Studie ermittelt den Zusammenhang zwischen iTUG-Komponenten und Systemen der Gleichgewichtsregulation.

Methodik: Insgesamt wurden 41 ältere Menschen (72,4 ± 7,6 Jahre) rekrutiert. Die Analyse der Gleichgewichtsregulation erfolgte sensor-basiert anhand eines standardisierten Messprotokolls während des Stehens unter vier Bedingungen: a) offene Augen; b) geschlossene Augen; c) Matte, offene Augen; d) Matte, geschlossene Augen. Auf Basis der Messung wurden die prozentualen Anteile der Gleichgewichtsregulation (visuell, somatosensorisch, vestibulär) gemäß validierter Verfahren berechnet. Über eine smartphonebasierte iTUG-Messung wurde die Zeit für die Subkomponenten Aufstehen, Gehen, Drehen, Drehen zum Sitzen, Setzen ermittelt. Subgruppen wurden anhand der iTUG-Gesamtzeit bzw. der benötigten Zeit für die iTUG-Subkomponenten gebildet und über einen T-Test und Effektgrößen (Cohens’d) verglichen.

Ergebnisse: Die Subgruppe mit höherer iTUG-Gesamtzeit unterschied sich hinsichtlich vestibulärer (p=0,01, d=-0,99) und somatosensorischer (p=0,01, d= 0,97) Gleichgewichtsregulation im Vergleich zur Subgruppe mit niedriger Gesamtzeit. Unterschiede zeigten sich für die Subkomponenten Gehen (somatosensorisch p=0,01, d=0,96; vestibulär: p=0,01, d=-0,85) und Drehen (vestibulär p=0,03, d=-0,68). Andere Subkomponenten zeigten keine Unterschiede.

Schlussfolgerungen: Bei Probanden mit besseren iTUG-Leistungen erfolgt die Gleichgewichtsregulation vorwiegend über das vestibuläre System. Demgegenüber zeigen eingeschränkte Probanden einen erhöhten visuellen und somatosensorischen Anteil. Dies deutet daraufhin, dass ein altersbedingter Abbau des vestibulären Systems unmittelbare Auswirkungen auf funktionelle Mobilitätsleistungen hat. Die iTUG-Subkomponenten Gehen und Drehen erscheinen besonders sensitiv für eine Beurteilung der Gleichgewichtsregulation.

15:30
Wirksamkeit eines frühzeitigen, assistiven Robotiktrainings bei Patienten nach Humerusfrakturen: Studienprotokoll einer randomisiert kontrollierten multizentrischen Studie
P25 

C. Oberle, L. Schwickert, C. Becker, S. Studier-Fischer, J. A. Müßig, P. Augat; Stuttgart, Ludwigshafen, Murnau am Staffelsee

Hintergrund: Die Inzidenz von proximalen Humerusfrakturen nimmt ab dem 40. Lebensjahr stark zu. Die funktionelle Wiederherstellung des Oberarms nach solchen Frakturen ist langwierig und die Ergebnisse sind oft unbefriedigend. Zudem geht die Behandlung mit langen Immobilisierungsperioden einher. Evidenzbasierte Leitlinien für die Therapie und Rehabilitation fehlen bislang. Die Konsequenzen sind der Verlust der Muskelmasse und der motorische Leistung, sowie eine reduzierte Bewegungsfreiheit. Diesen Verlusten soll durch eine gezielte Trainingsintervention mit Hilfe eines assistiven Trainingsroboters zur Armunterstützung des betroffenen Arms, entgegengewirkt werden. Durch diese innovative Intervention kann eine kürzere Immobilisierung erreicht werden. Ziel dieser Studie ist es zu untersuchen, ob das additive, assistive Robotiktraining unterstützend zur konventionellen Ergo- und Physiotherapie dazu beitragen kann, die Schulterfunktion zu verbessern.

Methodik: Patienten zwischen 35 und 66 Jahren mit proximaler Humerusfraktur und chirurgischer Behandlung werden in drei Kliniken in Deutschland rekrutiert und in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe randomisiert. Einschlusskriterien sind Kognition (≤ 10 SOMC), Schmerzen im betroffenen Arm (VAS-Skala ≤ 5), Gehgeschwindigkeit (≥ 0,8m/Sek) und eine ausreichende Sehfähigkeit. Die Teilnehmer werden vor und nach der Interventionsphase von 3 Wochen, von einem zur Intervention verblindeten Untersucher getestet. Die Hauptendpunkte der Studie umfassen die Bewertung der Einschränkung im Alltag durch die betroffene Extremität (Disability of the Arm Shoulder and Hand Fragebogen, DASH), der motorischen Funktion anhand des Wolf-Motor-Funktions-Test für orthopädische Patienten (WMFT-O), sowie die Messung der Bewegungsfreiheit des betroffenen Arms (Goniometer-Messung). Der subjektive Erfassungsbogen zur Schulterfunktion (DASH), sowie die Arbeitsfähigkeit werden prospektiv durch eine postalische Abfrage 3, 6 und 12 Monate nach Ende der Intervention erhoben. Alle Teilnehmer erhalten konventionelle Ergo- und Physiotherapie. Die Interventionsgruppe erhält zusätzlich, über einen Zeitraum von drei Wochen, ein Roboter-unterstütztes Training am Armeo®Spring-Roboter. Das Training wird an 4 Tagen pro Woche für jeweils 45 Minuten durchgeführt.

Diskussion: Dieses Studienprotokoll beschreibt eine randomisierte, kontrollierte und teil-verblindete multizentrische Interventionsstudie der Phase-II. Die Ergebnisse sollen der Evaluierung einer neuen Therapieform für Patienten nach Humerusfraktur dienen. Erste Ergebnisse werden präsentiert.

15:30
„XoSoft” ein Soft-Exoskelett für Menschen mit moderaten Gangunsicherheiten
P26 

S. Schülein, K.-G. Gaßmann; Erlangen

Wer aufgrund seines zunehmenden Alters oder einer Erkrankung beim Gehen beeinträchtigt ist, kann oftmals mittels Gehhilfsmittel wieder besser laufen. Doch diese passen sich nicht dem individuellen Bewegungsablauf an. Gemeinsam mit acht europäischen Partnern entwickelt die Forschungsabteilung am Geriatrie-Zentrum Erlangen eine Stützstruktur, welche sich je nach Bewegung versteift oder weich wird. Das innovative Gewebe wird mit Sensoren ausgerüstet, mit deren Hilfe eine integrierte Elektronik die Bewegung der betroffenen Gliedmaßen lernt und diese dann im richtigen Augenblick stützt, entlastet oder frei bewegen lässt. Das dreijährige XoSoft-Projekt wird durch das Förderprogram der Europäischen Union, Horizont 2020 mit 5,4 Millionen Euro unterstützt. Natürlichen Bewegungsablauf unterstützen Ein Anwendungsbeispiel könnte die bei älteren Menschen häufig auftretende Fehleinschätzung der eigenen Gehfähigkeit sein. Das Telefon klingelt, sie stehen auf und vergessen in dem Moment oder bemerken zu spät, dass sich ihre Fähigkeit zu Gehen geändert hat. Ein Sturz könnte demnach aus dem Ungleichgewicht zwischen der abrufbaren Leistung und der Anforderung einer solchen Situation entstehen. Das verwendete Material soll lernfähig sein. XoSoft könnte beispielsweise mit Sensoren bestimmte unkontrollierte Gehbewegungen erkennen, und dann den Antriebselementen übermitteln, wann diese stabilisieren sollen. Sobald ein ausreichend stabiles Gleichgewicht erreicht worden ist, würde das „Soft-Exoskelett“ dann wieder weich. Das XoSoft wird für den Einsatz im klinischen Alltag geprüft und wenn nötig weiter angepasst. Neben der Technik und dem Material ist eines der wichtigsten Gesichtspunkte, die Nutzerfreundlichkeit und die damit eng verbundene Akzeptanz des XoSoft. Diskret unter der Kleidung zu tragen Die Form der Stützstruktur müsse man sich wie eine Leggins vorstellen. Die Bequemlichkeit spielt eine wichtige Rolle. Die Gehhilfe sollte so konzipiert sein, dass Patienten es den ganzen Tag unter bzw. auf der eigenen Kleidung tragen und ohne Unterstützung an- und ausziehen können.

Partner:

  • Fondazione Instituto Italiano di Tecnologia, IT
  • accelopment AG, CH
  • Consejo Superior de Investigaciones Científicas, ES
  • Geriatrie-Zentrum Erlangen, DE
  • Össur hf, IS
  • Roessingh Research and Development, NL • Saxion University of Applied Science, NL
  • University of Limerick, IE
  • Zurich University of Applied Sciences, CH

Dieses Projekt erhält Zuwendung aus dem EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 für Forschung und technologische Entwicklung unter der Fördernummer 688175

15:30
RCT Intervention bei robusten älteren Menschen zu funktionaler Alltagskompetenz, Sturzrisiko und LAufSTilMOdifikationen (LASTIMO)
P27 

L. Neumann, U. Dapp, C. Rohn, R. Hoee, V. Nagel, W. von Renteln-Kruse, A. Zech; Hamburg, Jena

Einleitung: Aufgrund muskulärer Abschwächung und funktionaler Degeneration können ältere Menschen zu einem erhöhten Sturzrisiko neigen. Trotz unzureichender Evidenz wird deshalb häufig das Tragen fester, dämpfender und stabilisierender Schuhe empfohlen. Diesem Tragen wird jedoch eine degenerative Wirkung auf Fußmuskulatur und -sensorik mit ggf. negativen Auswirkungen auf die Haltungs- und Bewegungskontrolle zugeschrieben. In LASTIMO wird überprüft, inwiefern gewohnte Gangmuster und deren Effekte hinsichtlich Alltagsmobilität und Sturzprävention durch körperliche Aktivität unter barfußähnlichen Bedingungen modifiziert werden können.

Methodik: RCT mit robusten (lt. LUCAS Funktions-Index, FI [Dapp et al. BMC Geriatrics 2014]) älteren Menschen (70+ Jahre).
Interventionsgruppe (IG): Ganzheitliches Training mit Schwerpunkt Balance und Koordination 2x/Woche über 6 Monate unter minimalistischen Schuhbedingungen (barfußähnliches Laufen).
Kontrollgruppe (KG): Identisches Training unter gewohnten Schuhbedingungen.
Messungen: Umfassendes gerontologisch-geriatrisches Assessment (2h) incl. Gangparameteranalysen mittels Gaitrite® sowie Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) vor und nach Interventionsabschluss.

Ergebnisse: Die Randomisierung (1:1) war erfolgreich mit je 56 Personen in IG und KG. Anteil Frauen: IG 55,4%, KG 57,1%. Alter in Jahren im Mittel (SD): IG 75,6 (±3,4), KG 75,6 (±4,5). Erste prä-post-Analysen der Entwicklung der Funktion (LUCAS FI, SPPB) und des Sturzrisikos zeigten keine signifikanten Unterschiede. Da nur Personen mit guter funktionaler Alltagskompetenz eingeschlossen wurden (Status ROBUST lt. LUCAS FI) werden am ehesten Unterschiede zwischen IG und KG bei Gangmuster und -variabilität unter verschiedenen Single- und Dual-Task-Anforderungen sowie Massenzuwachs der Fußmuskulatur erwartet. Diese vertiefenden Analysen (Gaitrite®, BIA) sind aktuell in der Durchführung.

Ausblick: Nach Abschluss aller Analysen werden die gewonnenen Erkenntnisse und ihre Effekte bezüglich Alltagskompetenz, Mobilität und Sturzprävention in den „Pakt für Prävention – Gesund alt werden in Hamburg!“ (Landesrahmenprogramm gemäß Präventionsgesetz - PrävG) sowie in die innovative Versorgung „NetzWerkGesundAktiv“(GBA Innovationsfonds) in der Mobilitäts-Ambulanz Albertinen-Haus integriert.

15:30
Bedarf, Inanspruchnahme und Wirkung mobiler geriatrischer Rehabilitation in stationären Pflegeeinrichtungen
P28 

H. J. Janßen, L. Köhler, J. C. Behrens, F. Naumann, J. W. Kraft, M. Schmidt-Ohlemann, R. Siegert, M. Warnach; Bremen, Halle (Saale), Woltersdorf, Coburg, Bad Kreuznach, Berlin

Hintergrund: Die mobile geriatrische Rehabilitation wurde in den Leistungskatalog der GKV aufgenommen. Hinsichtlich des Bedarfs, der tatsächlichen Inanspruchnahme und des (mittelfristigen) Verlaufs in stationären Pflegeeinrichtungen gibt es noch keine Transparenz.

Methodik: Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Gesundheits geförderten Projektes wird eine Analyse über den Bedarf an (mobiler) Rehabilitation und den Verlauf dieser Massnahme im Halbjahreszeitraum vorgenommen. Die Untersuchung ist als multizentrische Studie über fünf Standorte in Deutschland angelegt. In insgesamt 13 Pflegeeinrichtungen wurde mittels Fachgutachten der Bedarf an (mobiler) Rehabilitation bei Heimbewohnern erforscht. Untersucht wurden insgesamt 759 Heimbewohner. Zu vier Messzeitpunkten wurden mit einem Kontrollgruppendesign Daten über einen Fragebogen erhoben. Die Interventionsgruppe hat geplant 100 Rehabilitanden und die Kontrollgruppe 40 Personen mit Bedarf jedoch ohne Intervention.

Ergebnisse: In der Langzeitpflege wurde im Mittel für rund 23 % ein multimodaler rehabilitativer Bedarf festgestellt. Überwiegend (62 %) lagen demenziell bedingte Einschränkungen vor. Ein großes Problem in der Beurteilung zur Rehabilitation stellten Mitarbeitsfähigkeit und Motivierbarkeit dar. Gäste der Kurzzeitpflege waren im Schnitt etwas jünger und mit geringerem Pflegebedarf, eine Rehaindikation wurde mit 32 % häufiger gestellt.
In der Interventionsgruppe (IG) wird bei n=22 Fällen (Zwischenauswertung) im Mittel ein Zuwachs funktionaler Alltagskompetenz von 10,8 Punkten im Barthel Index (BI) erreicht; in der Kontrollgruppe (KG) bei n=35 Fällen ein Verlust von 7,5 Punkten. Doch in beiden Studienarmen gibt es Gewinner und Verlierer: in der IG lag bei etwa 6 % der nach sechs Monaten erreichte BI unter dem Ausgangswert, in der KG konnten rund 14 % einen – vielleicht nicht klinisch relevanten - Zuwachs im Barthel Index im selben Zeitraum verzeichnen.

Diskussion: Die ausgewiesene Bedarfsquote ist noch von der tatsächlichen Inanspruchnahme zu differenzieren, hier sind weitere Faktoren relevant. Ebenfalls ist die Effektivität der Massnahme, auch im Vergleich zur Kontrollgruppe, weiter zu analysieren und zu differenzieren

15:30
„Gender” in der geriatrischen Rehabilitation - gibt es Unterschiede?
P29 

K. Hager, M. Brecht, O. Krause; Hannover

Hintergrund: Das Geschlecht kann einen Einfluss auf die Ergebnisse der Therapie und Rehabilitation in der Geriatrie besitzen. Ziel der Studie war es die Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL), ermittelt mit dem Funktionalen Unabhängigkeitsindex (FIM) bei Aufnahme und bei Entlassung bei Frauen und Männern zu analysieren.

Patienten und Methoden: Daten von 2496 Patients mit einer weiten Spanne von Erkrankungen aus den Jahren 2006-2009 wurden untersucht. Die Patienten wurden im Zentrum für Medizin im Alter in Hannover behandelt.

Ergebnisse: 1802 (72,2%) der Patienten waren Frauen und 695 (27,8%) Männer. Das mittlere Alter betrug 81,6 ± 7,7 Jahre (Frauen: 82,5 ± 7,3; Männer: 79,2 ± 8,3). Die Kognition bei Aufnahme, gemessen mit dem Mini-Mental-Status-Test (MMST) unterschied sich nicht zwischen den beiden Geschlechtern (Frauen: 23,6 ± 5,6 Punkte; Männer: 24,1 ± 5,3 Punkte; n.s.).

Der FIM bei Aufnahme war für Frauen und Männer gleich (Frauen: 84,0 ± 21,9 Punkte; Männer: 83,3 ± 23,9 Punkte, n.s.). Die Verbesserung im FIM betrug 14,3 ± 13,4 Punkte (Frauen: 14,7 ± 13,2; Männer: 12,9 ± 13,6; n.s.). Keine Unterschiede wurden weiterhin für den Motor-FIM und den kognitiven FIM gefunden. Auch bei den einzelnen FIM-Items wurden keine Unterschiede registriert.

Fazit: Obwohl Frauen etwas älter waren als Männer, bestanden keine Unterschiede im gesamten FIM oder in den einzelnen Domänen, weder bei Aufnahme noch bei Entlassung. Die war auch der Fall bei Funktionen, bei denen Männer einen Vorteil haben könnten, wie das Treppensteigen, oder bei Items, auf die Frauen vielleicht einen größeren Wert legen wie die Hygiene.

Zurück






Diese Website verwendet Cookies