Freitag, 29.09.2017

15:30 - 16:45

Posterausstellung

PG4

Delir, Demenz, Kognition (P40 - P45)

Moderation: T. Zieschang, Heidelberg; W. Hofmann, Neumünster

15:30
Geriatrische Frührehabilitation in der Neurologie: retrospektive monozentrische Analyse des Rehabilitationspotentials von Menschen mit Demenz (MmD)
P40 

C. Leinert, J. Wolfer, C. Habermeier, A. Rosenbohm, B. Lindner-Pfleghar, I. Uttner, B. Romero, C. von Arnim; Ulm, Berlin

Hintergrund: MmD weisen aufgrund der größeren Vulnerabilität für Akuterkrankungen einen hohen Rehabilitationsbedarf auf. Es wird jedoch kontrovers diskutiert, inwieweit sie entsprechenden Maßnahmen tatsächlich zugänglich sind. Entscheidende Voraussetzung für den Rehabilitationserfolg trotz Demenz stellt eine Anpassung der Behandlungsmethoden an die Bedürfnisse dieser Zielgruppe dar. Der neurogeriatrischen Station für MmD an der RKU wurde ein Behandlungskonzept zugrunde gelegt, das im interdisziplinären, strukturierten Ansatz die speziellen Bedürfnisse von MmD berücksichtigt.   Fragestellung: Zeigen stationäre, speziell an MmD angepasste Rehabilitationsmaßnahmen Wirkung im funktionellen Bereichen?

Methoden: Es wurden retrospektiv die Daten von 66 Patienten mit einer Demenzerkrankung (Alter 80 +/- 5 Jahre, 52% weiblich, MMST 15 +/- 5,6 Punkte) hinsichtlich der Veränderung in den folgenden funktionellen Bereichen ausgewertet: Alltagsaktivitäten (Barthelindex, BI), Mobilität (Timed-Up-And-Go, TUAG) sowie Dysphagierisiko für Speisen (SKF) und Flüssigkeiten (FK). Verglichen wurden die Befunde erhoben am Anfang und Ende einer multimodalen geriatrischen Frührehabilitation. Bei 31 dieser Patienten ging zusätzlich ein akutes zerebrovaskuläres Ereginis voraus, bei den Übrigen kam es wegen anderer Akuterereignisse zur Einweisung. Für die statistischen Analysen wurden gepaarte parametrische und nicht-parametrische T-Tests verwendet.

Resultate: Die Analyse des BI zeigte eine signifikante Verbesserung nach durchgeführter geriatrischer Frührehabilitation sowohl für die Gesamtgruppe (p < 0,0001) als auch für die Subkohorten mit (p <0,01) und ohne (p < 0,001) zusätzliches zerebrovaskuläres Ereignis. Auch im TUAG konnten sich die MmD signifikant verbessern (p < 0,001), unabhängig, ob sie ein Schlaganfallereignis erlitten hatten (p < 0,01) oder nicht (p < 0,05). Ebenso zeigte die gesamte Kohorte eine Verbesserung der Kost- und Flüssigkeitsform (SKF p < 0,001, FK p < 0,0001), insbesondere bei der Untergruppe der Schlaganfallpatienten (SKF p < 0,001, FK p< 0,001), nicht jedoch für die Pat. ohne Schlaganfall (SKF ns, FK ns).

Schlussfolgerung: Eine im Rahmen der geriatrischen Frührehabilitation angestrebte funktionelle Besserung kann auch bei MmD, insb. nach einem Akutereignis, erreicht werden. Genauere Analysen mit Betrachtung der angewendeten Therapieprinzipien (inkl. Kommunikation und Schulung Angehöriger) sind notwendig, um die Nachhaltigkeit des speziell auf die Bedürfnisse dieser Patienten zugeschnittenen Therapieprogramms zu evaluieren.

15:30
Komorbidität von NPH und Alzheimer-Erkrankung in einer Gedächtnisambulanz-Stichprobe
P41 

L. Frings, I. Natterer, S. Klöppel, B. Heimbach; Freiburg

Hintergrund: In der Literatur wird die Komorbidität von Normaldruck-Hydrozephalus (NPH) und Alzheimer-Erkrankung (AE) bei geriatrischen Patienten als häufig angegeben: Bis zu >80% der NPH-Patienten haben eine AE (Cabral et al., Alzheimers Dement 2011). Dies sollte an einer universitären Gedächtnisambulanz-Stichprobe überprüft werden.

Methoden: In eine retrospektive Auswertung wurden Daten von Patienten eingeschlossen, die im Zeitraum von 05/2010 bis 02/2017 in der Memory-Ambulanz der Universitätsklinik Freiburg eine Liquorpunktion (LP) bekamen und deren Liquor hinsichtlich der Demenzmarker Aβ40 und Aβ42 untersucht wurde. Patienten wurden anhand von Arztbriefen klassifiziert nach (1) NPH als klinische Verdachtsdiagnose vor LP (NPH-positiv versus -negativ) sowie (2) Vorliegen einer AE (pathologisches Verhältnis von Aβ42 zu Aβ40; AE-positiv versus -negativ).

Ergebnisse: 55 Patienten mit LP und Analyse der Demenzmarker im Liquor wurden identifiziert (26 weiblich; Alter: 69,0 +/- 7,6 Jahre [49,6 - 79,7]). 13 der Patienten hatten die Verdachtsdiagnose eines NPH vor LP. Keiner der Patienten mit Verdachtsdiagnose NPH hatte eine AE, hingegen waren 18 Patienten ohne NPH-Verdacht AE-positiv. Die verbliebenen 24 Patienten waren sowohl NPH- als auch AE-negativ.

Schlussfolgerung: Eine hohe Komorbidität zwischen NPH und AE ließ sich in unserer Stichprobe nicht replizieren. Stattdessen lag die Häufigkeit der AE bei Patienten mit V.a. NPH unterhalb der Häufigkeit, die bei kognitiv Gesunden dieses Alters zu erwarten wäre (>15%; Jansen et al., JAMA 2015). Eine zukünftige Überprüfung an einer größeren Fallzahl ist geplant.

15:30
Delir-Häufigkeit und Verordnung zentralwirksamer Arzneimittel bei geriatrischen Patienten im Akutkrankenhaus
P42 

L. Cao, R. Woltersdorf, M. Kowar, U. Jaehde, A. H. Jacobs; Bonn

Einleitung: Da Delir ein multifaktorielles Syndrom darstellt, setzt das Management neben der medikamentösen Therapie auch auf nicht-pharmakologische Interventionen.

Ziel: Um den Einfluss einer geplanten Implementierung psychosozialer Interventionen in einem geriatrischen Akutkrankenhaus auf Delirhäufigkeit und -dauer sowie die Neuverordnungen zentralwirksamer Arzneimittel zu ermitteln, wurde zunächst die Ausgangssituation analysiert.

Methoden: Bei 79 Patienten mit stationärem Aufenthalt in der Geriatrie wurden Barthel-Index (BI), Mini-Mental-Status-Test (MMST), Clock Drawing Test, Geriatrisches Depressionsskala und Delirium Predictive Score erhoben. Die Delir-Diagnose erfolgte mittels Confusion Assessment Method. Als zusätzliche Risikofaktoren wurden potenziell inadäquate Medikamente gemäß PRISCUS-Liste sowie die anticholinerge Last mittels der Anticholinergic Cognitive Burden-Skala (ACB) ermittelt. Endpunkte waren Delir-Prävalenz sowie die Anzahl neuverordneter zentralwirksamer Arzneimittel.

Ergebnisse: Die Delir-Prävalenz betrug 10%. Patienten mit hatten einen niedrigeren BI (26 ± 23 bzw. 50 ± 16), niedrigeren MMST (18 ± 6 bzw. 24 ± 5) und höheren Delirium Predictive Score (24 ± 5 bzw. -48 ± 65). 38% der Delir-Patienten bekamen bei Aufnahme mindestens ein PRISCUS-Arzneimittel verglichen mit 18% bei den Nicht-Delir-Patienten. Der Anteil der Delir-Patienten mit einem ACB-Score ≥ 3 stieg von 13% bei Aufnahme auf 50% im Krankenhaus, bei Nicht-Delir-Patienten blieb dieser stabil bei ca. 10%. Bei Delir-Patienten wurden pro Patient durchschnittlich zwei zentralwirksame Arzneimittel neu verordnet, davon 37% Neuroleptika, gegenüber nur einer Neuverordnung bei Nicht-Delir-Patienten mit einem Neuroleptika-Anteil von 9%.

Schlussfolgerung: Trotz der relativ niedrigen Delir-Prävalenz befinden sich Delir-Patienten in einer kritischeren Ausgangssituation. Im Krankenhaus erhalten sie häufiger Neuroleptika als Nicht-Delir-Patienten.

Förderung: Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen des Projektes „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“

15:30
Delirprävention im Krankenhaus - ein interprofessionelles Schulungsprojekt
P43 

K. Singler, M. Gosch, E. Kaufmann, A. Hofmann; Nürnberg

Das Delir ist die häufigste Komplikation hospitalisierter älterer Patienten. Delirante Patienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Komplikationen wie z.B. Stürze, Infektionen, Funktonalitätsverlust, kognitiven Einschränkungen, schlechteren Rehabilitationsergebnis und einer erhöhten Mortalität.

Trotz des häufigen Auftretens eines Delirs wird dem Syndrom im klinischen Alltag nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Identifizierungsrate deliranter Patienten liegt je nach klinischem Setting bei lediglich ca. 30%.

Ein Delir bedeutet für Patienten und ihre Angehörigen häufig eine starke psychische Belastung, welche auch noch nach dem Akutereignis andauern kann.

Auch für das behandelnde Team stellen delirante Patienten im klinischen Alltag oftmals eine deutliche Mehrbelastung dar.

Im Rahmen des klinikweiten Projektes „Delir im Krankenhaus – Aufmerksamkeit erhöhen, Risiken minimieren“, soll diesen Herausforderungen begegnet werden. An einer Klinik der Maximalversorgung werden interprofessionelle Schulungen zur Thematik des Delirs – Relevanz, Screeningmethoden, präventive und nicht medikamentöse Therapiemaßnahmen - durchgeführt. Durch eigens für das Projekt entworfene Flyer und zusätzliche Informationsveranstaltungen werden Angehörige auf das Delir aufmerksam gemacht. Gleichzeitig wird ein interdisziplinär entwickelter Managementpfad etabliert.

Anhand einer Modellstation wird die Akzeptanz des interprofessionellen Schulungskonzeptes mittels Fragebögen und strukturierter Interviews evaluiert.

15:30
Entwicklung und Evaluation einer psychosozialen online-Unterstützung für pflegende Angehörige von Demenzpatienten
P44 

P. Tonn, S. Stöckigt, I. Kuchler, I. Preuß, N. Schulze; Hamburg

Die Belastung von pflegenden Angehörigen von Demenzpatienten in psychischer, körperlicher, sozialer Hinsicht ist hoch, zudem müssen sie Veränderungen im gewohnten Lebensalltag hinnehmen. Der Versuch, diese zahlreichen Änderungen und Belastungen in einen angepassten Alltag zu implementieren, wird auch als „self-management“ bezeichnet. Dabei umfasst „self-management“ nicht nur den Umgang und die Reaktion auf vom Demenzkranken ausgelöste Veränderungen und Entwicklungen, sondern auch die Kontrolle und Gestaltung eigener Probleme des Angehörigen, etwa depressiver Stimmungen oder aggressiver Gefühle. Pflegende Angehörige haben im Verlauf des Pflege- und Begleitungsprozesses ein großes Risiko, selbst körperlich, vor allem aber psychisch zu erkranken. Gleichzeitig kann eine Unterstützung und Stabilisierung von pflegenden Angehörigen dazu führen, dass Demenzerkrankte länger in der gewohnten häuslichen Umgebung verbleiben können. Das kann die Lebensqualität des Demenzerkrankten verbessern und es reduziert die Versorgungskosten, die ansonsten bei vollstationärer Pflege anfallen würden. Die Anwendung von persönlicher Unterstützung durch Angehörigengruppen, Pflegestützpunkte, Sozialdienste oder Psychologen reduziert die Belastung von pflegenden Angehörigen nachweislich. Gleichwohl lässt die begrenzte Verfügbarkeit dieser Unterstützungsangebote und der zu erwartende Anstieg von Demenzpatienten in der Zukunft auch online-basierte Supportangebote sinnvoll erscheinen. Erste Untersuchungen lassen solche e-Health-Anwendungen für die Unterstützung von Angehörigen sinnvoll und ratsam erscheinen. 

Wir haben mit qualitativer Interviewtechnik und unter Einbezug der aktuellen Literatur relevante Aspekte in der Betreuung von Demenzerkrankten zuhause festgestellt und ein mehrstufiges online-Support-System für pflegende Angehörige entwickelt. In diesem System sind psychoedukative und therapeutisch aktivierende Elemente enthalten, die unter Anwendung der aktuellen verhaltenstherapeutischen Technik mit Achtsamkeit, Akzeptanz und Aktivität als wesentlichen therapeutischen Faktoren angeboten werden. 

Hier stellen wir das Support-System in seinen bislang vorhandenen einzelnen Modulen vor und berichten erste Ergebnisse aus Nutzerbefragungen. 

15:30
BrainProtect 1.0 - ein kognitives Trainingsprogramm
P45 

J. M. Falkenreck, A. Friese, G. Nelles, I. Becker, P. Jahr, M. C. Polidori Nelles; Köln, Bedburg, Krefeld

Kognitive Integrität ist eine der wichtigsten gesundheitlichen Faktoren weltweit, welche u.a entscheidend für die Lebensqualität ist. Vor allem in unserem Zeitalter, in dem die globale Lebenserwartung über 71 Jahre beträgt und Gedächtnisstörungen ein großes Thema in der Medizin darstellen.

Der Bundesverband für Gedächtnistraining (BVGT e.V.) hat ein umfassendes kognitives Training entwickelt, das bisher noch nicht wissenschaftlich validiert ist.

Das Ziel der jetzigen Analyse ist es, das Trainingsprogramm retrospektiv auszuwerten, um darauf aufbauend prospektive Untersuchungen planen zu können.  

Zu diesem Zweck wurden fortlaufende anonymisierte Daten von 289 Probanden (Alter: 23-94 Jahre), die im Rahmen eines Gedächtnistrainingsprogramms vom BVGT getestet wurden, analysiert. Ein fehlendes schriftliches Einverständnis zur Studienauswertung war das einzige Ausschlusskriterium. Daten zum Lebensstil, Gesundheitszustand, Bildung und Gründe für die Teilnahme wurden bei allen Probanden erhoben.

Nach Überprüfung des individuellen Ausgangspunktes mittels eines vom BVGT entwickelten standardisierten Vortests fand ein 8-wöchiges auf die Teilnehmergruppe individuell angepasstes Trainingsprogramm mit Trainingseinheiten à 90 min/Woche statt. Zum Abschluss wurde das Outcome der Teilnehmer in einem Nachtest des BVGT festgehalten.

Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass sich 80,97% durch das kognitive Trainingsprogramm verbessern konnten. Signifikante Unterschiede in ANOVAs mit der Kovariate Vortest für einige kognitive Subscores zwischen Altersgruppen (z.B Wortfindung: p 0,001) und Ausbildungsgruppen (z.B Arbeitsgedächtnis: p 0,023), zeigen, dass beide Faktoren Einfluss auf das spätere Gesamtergebnis der Teilnehmer haben. Weitere Analysen dauern derzeit noch an.

Die ersten Ergebnisse der retrospektiven Auswertung des Gedächtnistrainings zeigen bei der großen Mehrzahl von gesunden Probanden Verbesserungen von kognitiven Leistungen (u.a Wahrnehmung, Logik, Merkfähigkeit). Diese Effekte sollen in einer prospektiv angelegten Studie genauer untersucht werden.

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