Freitag, 29.09.2017

08:00 - 09:30

Hörsaal 2

S211

Malnutrition - spezifische Ursachen - spezifische Therapie?

Moderation: D. Volkert, Nürnberg; R. Wirth, Herne

Symposium der AG Ernährung und Stoffwechsel der DGG

Protein-Energie-Malnutrition ist ein bei älteren Patienten sehr häufiges klinisches Syndrom, welches noch zu selten diagnostiziert und gezielt therapiert wird. Dies liegt auch in uneinheitlichen Definitionen und diagnostischen Kriterien begründet. Die Europäische Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) hat hier einen wichtigen Schritt in die Richtung der Vereinheitlichung getan, der inzwischen als Consensus Statement publiziert wurde und der zur Einleitung des Symposiums dargestellt und diskutiert wird.

Bei vielen Patienten ist die Malnutrition multifaktoriell bedingt. Oft spielt jedoch eine einzelne Erkrankung oder ein einzelnes Syndrom eine führende Rolle in der Pathogenese, wie z.B. bei der Demenz, der Dysphagie oder bei Arzneimittelnebenwirkungen. Hier sollte das Therapiekonzept auf diese spezifischen ätiologischen Faktoren abgestimmt werden, um eine erfolgreiche Therapie zu gewährleisten. Manchmal befinden sich auch die unterschiedlichsten Patienten in einer doch sehr ähnlichen klinischen Situation, wie z.B. nach einer hüftgelenksnahen Fraktur, sodass auch vor dem Hintergrund der spezifischen Einflussfaktoren dieser speziellen Situation eine mehr spezifische, d.h. auf die Situation der Patienten abgestimmte, Therapie sinnvoll erscheint. Über die Koinzidenz von Diabetes mellitus und Malnutrition ist nur wenig bekannt. Gewöhnlich würde man bei der vornehmlich überernährungsbedingten Erkrankung des Typ 2 Diabetes nicht an Mangelernährung denken. Und doch ist die Entwicklung der Malnutrition bei Diabetikern gar nicht so selten. Hierbei herrscht jedoch große Unsicherheit wie man sich therapeutisch in dieser Situation verhalten sollte.

08:00
Diagnostic criteria for malnutrition - the new ESPEN consensus statement
S211-01 

T. Cederholm; Uppsala/S

08:20
Malnutrition beim Frakturpatienten
S211-02 

R. Schaefer; Bergisch Gladbach

Die Wahrscheinlichkeit einer Malnutrition bei Patienten über 75 Jahren liegt bei 50%. Ist diese Rate bei Frakturpatienten höher? Stellt die Mangelernährung ein unabhängiges Frakturrisiko dar? Welche Relevanz hat die postoperativ-gute Ernährung für das Outcome der Patienten?

Die klinische Relevanz der Mangelernährung für Frakturpatienten soll in diesem Vortrag betrachtet und Verbesserungsansätze aufgezeigt werden.

08:34
Malnutrition bei neurogener Dysphagie
S211-03 

M. Jäger; Dortmund

Malnutrition bei neurogener Dysphagie zeigt eine hohe Prävalenz, insbesondere bei Dysphagie mit Pneumonie. Dyspagie-Patienten mit Malnutrition zeigen schlechter funktionale Ergebnisse und höhere Mortalität. Das Risiko der Malnutrition bei Entlassung aus der geriatrischen Akutklinik bei Patienten mit Dysphagie ist deutlich erhöht. Aufgrund der engen, wechselseitigen Zusammenhänge zwischen Malnutrition, Sarkopenie und Dysphagie ist eine Verbesserung von Problembewusstsein, frühzeitiger Diagnose und Therapie von großer Bedeutung für Lebensqualität und Komplikationsrate. Die an aktuelle Schluckfähigkeiten, individuelle Bedürfnisse und Wünsche angepasste Ernährung ist ein Kernpunkt angemessener Therapiemaßnahmen.

08:48
Malnutrition bei unerwünschten Arzneimittelwirkungen
S211-04 

I. Gehrke; Donaueschingen

Die Interferenzen zwischen Appetit, resultierendem Ernährungsstatus und Medikation sind jedem Kliniker geläufig, Gewichtsveränderungen sind insbesondere in der Psychopharmakologie bekannte, und, bei gegebener Indikation, in Kauf zu nehmende Nebenwirkungen. Die Folgen der Multimedikation insbesondere bei gebrechlichen alten Menschen im Hinblick auf den Ernährungsstatus sind naturgemäß schwierig isoliert zu betrachten, systematische Studien fehlen weitgehend. Anhand von Kasuistiken und aktuellen Studien wird ein Einblick in das Problem der Mangelernährung infolge von Arzneimittelwirkungen gegeben.

09:02
Malnutrition und Diabetes
S211-05 

S. Schreiber; Trier

Es gibt zahlreiche Publikationen über das metabolische Syndrom in jüngerem und mittlerem Lebensalter, insbesondere über hochkalorische Ernährung, Hyperlipidämie, Adipositas und die Entstehung des Diabetes mellitus Typ 2. Dagegen ist über den Zusammenhang von Malnutrition, sarkopener Adipositas und Diabetes im hohen Alter weniger bekannt.

Pathophysiologisch finden altersabhängig unterschiedliche Stoffwechselprozesse statt. Bei jüngeren, adipösen Diabetespatienten können Insulinresistenz, Hyperinsulinämie und ein erhöhter Leptinspiegel gemessen werden. Bei älteren Diabetespatienten entwickelt sich oft eine Unterernährung, die neben einem geringeren Körpergewicht u.a. durch einen niedrigen Serumspiegel von Albumin, Cholesterin, Leptin, Insulin und eine niedrige Insulinresistenz gekennzeichnet ist. Darüber hinaus spielen Vitamine und Mineralien eine wichtige Rolle im Glukosestoffwechsel.

Das klinische Bild von geriatrischen Patienten mit Mangelernährung und Diabetes ist oftmals durch eine Vielzahl von Begleiterkrankungen bzw. geriatrischen Syndromen (z.B. Frailty) gekennzeichnet.

Diabetische Folgeschäden können den Ernährungszustand negativ beeinflussen. Beispielsweise kann die diabetische Gastroparese zu einer verminderten Nahrungsaufnahme führen und eine fortgeschrittene Nephropathie mit einem relevanten Eiweißverlust einhergehen.

Interessanterweise kann Mangelernährung aber auch zu einer „guten glykämischen Kontrolle beitragen“, ein niedriger MNA-Score korelliert dann mit einem niedrigen HbA1c-Wert.

In jedem Fall sollte eine individuelle Anpassung der diätetischen und medikamentösen Therapie erfolgen.

Prognostisch wurde für ältere Patienten mit Diabetes mellitus eine Korellation von Malnutrition mit funktionellem Abbau, Länge des Krankenhausaufenthalts, Entlassung nach Hause und Mortalität beschrieben.

Der Beitrag gibt eine Literaturübersicht und den aktuellen Wissensstand mit Implikationen für den klinischen Alltag wieder.

09:16
(Mangel) Ernährung bei Demenz
S211-06 

M. K. Modreker; Wismar

Im Zuge einer dementiellen Erkrankung kann es nahezu regelhaft zu Ernährungsstörungen kommen (Mangelernährung, Fehlernährung, Flüssigkeitsmangel). Die Genese ist meist multifaktoriell.
Somit ist es sinnvoll, Patienten mit einer Demenz regelmäßig auf Ernährungsstörungen zu screenen und darüberhinaus der Nahrungszufuhr Aufmerksamkeit zu schenken.
Zur Prävention und Therapie stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Dies sollten kritisch, dem jeweiligen Stadium und der aktuellen Situation angepasst werden.
In einer Übersicht sollen einerseits die verschiedenen Gründe der Ernährungsprobleme bei Demenz, andererseits die Screening- und Assessmentverfahren dargestellt werden. Anschliessend werden die verschiedenen Optionen der Prävention und der Therapie erläutert. Zudem werden die Empfehlungen der DGEM und der ESPEN mit aufgenommen.

Diskutantin: E. Kiesswetter, Nürnberg

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