Freitag, 29.09.2017

17:00 - 18:30

Hörsaal 11

S234

Gerontopsychosomatik - Grundlegung und Praxis

Moderation: S. Schütze, Frankfurt a. M.; H. Durwen, Düsseldorf

Geriatrie und Psychosomatik eint ein biopsychosoziales Menschenbild, das diagnostisch die Funktionalität vor die Nosologie stellt und therapeutisch die Multiprofessionalität vor die rein ärztliche Behandlung. Ca. 30 % aller geriatrisch-stationären Patienten haben psychische Komorbiditäten. Dabei sind Diagnostik und Therapie psychischer Störungen im hohen Alter, insbesondere bei Multimorbidität und Immobilität immer noch viel zu selten. Umso ermutigender erscheinen neue Konzepte und Kooperationen. Die neu gegründete Arbeitsgruppe Psychosomatik in der DGG stellt mit einem Vortrag des Gründers der Gerontopsychosomatik, Prof. Dr. Gereon Heuft, Münster über Inhalt und Ziele der Psychosomatik in der Geriatrie vor. Zudem berichtet PD Dr. Reinhard Lindner, Hamburg über ein Praxismodell sektorenübergreifender psychosomatischer Diagnostik und Psychotherapie in der Geriatrie. Das Symposium schließt mit einem Vortrag von Frau Dr. Gabriele Röhrig-Herzog, Köln über die Anwendung der Weiterbildung in psychosomatischer Grundversorgung im klinisch-geriatrischen Alltag.

17:00
Inhalt und Ziele der Psychosomatik in der Geriatrie
S234-01 

G. Heuft; Münster

17:30
Praxis der Gerontopsychosomatik in der Geriatrie
S234-02 

R. Lindner; Hamburg

Die Zusammenarbeit von Psychosomatik und Geriatrie in der klinischen Praxis ist derzeit noch selten, obwohl die Ausrichtung auf Funktionalität und Alltagsrelevanz den therapeutischen Zugang beider Disziplinen bestimmt.

Vorgestellt wird ein sektorenübergreifender psychosomatischer Dienst an der Medizinisch-Geriatrischen Klinik Albertinen-Haus, Hamburg. Seit 10 Jahren wird hier sowohl ein Konsil-/Liaisondienst in einer akutgeriatrischen Klinik, als auch eine Praxis für ambulante tiefenpsychologisch fundierte, zum Teil aufsuchende Psychotherapie in Personalunion betrieben, ergänzt durch Optionen der Weiterbehandlung in (teil-)stationärer Gerontopsychiatrie und Psychosomatik. Dies ermöglicht, hochbetagte, auch multimorbide und immobile Patienten mit psychischen und somatischen Störungen psychotherapeutisch zu behandeln. Vorherrschende Behandlungsthemen, aber auch Grenzen dieses Settings werden präsentiert und diskutiert.

18:00
Psychosomatische Grundversorgung in der Geriatrie
S234-03 

G. Röhrig-Herzog; Köln

Die Prävalenzdaten psychischer Erkrankungen unter >60-jährigen entsprechen denen jüngerer Erwachsener. Eine Untersuchung an stationär geriatrischen Patienten ergab, dass etwa ein Drittel an Symptomen litt die einer psychiatrischen (F-) Diagnose nach ICD 10 entsprach (Heuft et al DÄB 2000). Doch trotz dieser hohen Prävalenz wird bisher noch immer selten eine Behandlungsindikation bei diesen Patienten gestellt. Der Anteil der >60-jährigen unter ambulanten Psychotherapiepatienten liegt bisher unter 1%. Dem gegenüber stehen Angaben zu psychisch kranken älteren Menschen in internistischen und hausärztlichen Praxen von 15-20%.

Der AK Psychosomatische Grundversorgung der Bundesärztekammer legte 2001 das aktualisierte strukturierte Curriculum „psychosomatische Grundversorgung“ vor. Ziel dieses Curriculums ist die Förderung der Versorgungsqualität psychischer und psychosomatischer Erkrankungen durch eine gezielte Basisweiterbildung von interessierten Haus- und Fachärzten. Diese psychosomatische Grundversorgung (PGV) konkurriert keineswegs mit psychotherapeutischen oder psychosomatischen Leistungsangeboten, sondern soll diese vielmehr ergänzen: Haus- und Fachärzte mit einer entsprechenden Basisqualifikation zur PGV bieten dem Patienten erste Unterstützung und Aufklärung und helfen bei der Entscheidung darüber, ob eine psychotherapeutische Weiterbehandlung indiziert ist. Ärzte mit der Zusatzqualifikation PGV haben im ambulanten Bereich die Möglichkeit eine „differentialdiagnostische Klärung psychosomatischer Krankheitszustände“ (GOÄ806 / EBM 35100) bzw eine „verbale Intervention bei psychosomatischen Krankheitszuständen“ (GOÄ 849 / EBM 35110) abzurechnen.

Hinsichtlich der demographischen Entwicklung mit einem zu erwartenden steigenden Bedarf an psychisch erkrankten älteren Menschen gewinnt die PGV insbesondere für diejenigen Ärzte an Bedeutung, die mit der (hausärztlichen) Versorgung älterer Menschen betraut sind. Für den klinischen Bereich bedeutet die PGV einen Zugewinn an Qualität, da das bisher schwerpunktmässig eher funktionell und kognitiv ausgerichtete multidimensionale geriatrische Assessment (comprehensive geriatric assessment (CGA)) um biopsychosoziale Komponenten erweitert und eine bedarfsadaptierte frühzeitige Anbindung an Alterspsychotherapeuten gebahnt werden kann. Noch haben Interventionen der PGV keine DRG-Relevanz in Bezug auf die OPS 8550.-, doch birgt der steigende Bedarf das Potential dafür, dass auch hier auf Seiten der Kostenträger längerfristig ein Umdenken notwendig wird.

Zurück






Plenum Wissen­schaft­liche Sitzung Lunch­symposium Gremium

 

Diese Website verwendet Cookies