Freitag, 29.09.2017

17:00 - 18:30

Hörsaal 8

S232

Freie Beiträge - Pharmakologie und Labor

Moderation: M. Wehling, Mannheim; M. Ritt, Erlangen

17:00
Fit fOR The Aged (FORTA)-Klassifikation der oralen Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern
S232-01 

M. Wehling, R. Collins, V. M. Gil, O. Hanon, R. Hardt, H.-M. Hoffmeister, P. Monteiro, T. J. Quinn, D. Ropers, G. Sergi, F. W. A. Verheugt; Mannheim, Dublin/IRL, Lisboa/P, Paris/F, Mainz, Solingen, Coimbra/P, Glasgow/GB, Nürnberg, Padova/I, Amsterdam/NL

Die meisten Patienten mit Vorhofflimmern sind ältere Personen, die angesichts häufiger Multimorbidität und Multimedikation eine besondere therapeutische Herausforderung darstellen. Dies äußert sich auch in einer veränderten Pharmakokinetik und -dynamik, und erfordert so eine spezielle Risiko-Nutzen-Bewertung. In den Zulassungsstudien zu den nicht-Vitamin-K-antagonistischen oralen Antikoagulanzien (NOAK) wurden auch zahlreiche ältere Patienten eingeschlossen. Hier soll auf der Basis einer systematischen Literaturübersicht die Evidenzgrundlage für die Angemessenheit der Medikation mit oralen Antikoagulanzien (OAC) nach der FORTA (Fit fOR The Aged)-Klassifikation für ältere Patienten beurteilt werden. In einem Konsensusprozess (Delphi-Prozess, 2 stufig) bewerteten zehn internationale Gutachter acht OAC. Lediglich in 32 kontrollierten, randomisierten klinischen Studien fanden sich explizite Daten für ältere Patienten (>65 Jahre). Warfarin war hierbei die bestuntersuchte Substanz mit über 24.000 eingeschlossenen über 75-Jährigen. Allerdings gab es auch hier nur zwei Studien mit Daten zu geriatrischen Syndromen (Gebrechlichkeit, Stürze, mentale Verfassung). Die FORTA-Bewertung ergab lediglich für Apixaban die Kategorie A (besonders vorteilhaft). Die anderen NOAK (Rivaroxaban, die Hoch- und Niedrigdosisstrategie für Dabigatran und die Hochintensitätsstrategie für Edoxaban) und Warfarin wurden der FORTA-Klasse B zugeordnet (vorteilhaft). Phenprocoumon, Acenocoumarol und Fluindion fanden sich in der FORTA-Kategorie C (problematische Medikation, nur in Ausnahmefällen bei genauer Überwachung des Patienten anzuwenden); dies reflektiert hierbei im Wesentlichen das vollständige Fehlen von Daten bei älteren Patienten. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die NOAK und Warfarin in die Kategorien FORTA A oder B eingeordnet und damit insgesamt hinsichtlich des Risikos und Nutzens auch in der großen Gruppe der älteren Patienten positiv bewertet wurden. Die anderen Vitamin K-Antagonisten werden in Europa nur regional genutzt; ihr Einsatz bei älteren Patienten sollte aufgrund des Fehlens von Evidenz in der gegenwärtigen Praxis kritisch überprüft werden, zumal sie sich in wichtigen pharmakokinetischen Parametern z.T. deutlich vom gut untersuchten Warfarin unterscheiden.

17:15
Entscheidungskriterien für Antikoagulationsprobleme bei geriatrischen Patienten
S232-02 

C. Ploenes; Düsseldorf

Die Inzidenz von Erkrankungen, die eine Antikoagulation erfordern, steigt im Alter = 80 Jahren steil an (v.a. venöse Thromboembolie und absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern). Das Jahresrisiko eines embolischen Schlaganfalls übersteigt dabei deutlich das Jahresrisiko einer letalen Lungenembolie. Gleichsinnig steigt das Blutungsrisiko unter Antikoagulation. Hauptgründe sind v.a. Niereninsuffizienz, Co-Medikation mit nichtsteroidalen Antirheumatika, Überdosierung von Vitamin-K- Antagonisten. Alter und Sturzrisiko werden nach wie vor oft fälschlicherweise als grundsätzliche Kontraindikation für eine Antikoagulation gesehen. Ein Algorithmus zur Entscheidungsfindung muß folgende Faktoren erfassen: Wahrscheinlichkeit einer vitalen Gefährdung bei Vorenthalten einer Antikoagulation (Tod und Folgezustände, die die Lebensqualität entscheidend einschränken), das individuelle Blutungsrisiko aufgrund der Vorgeschichte und nach Ausschaltung blutungsfördernder Faktoren , soweit dies möglich ist. Dabei sollte die aktuelle wissenschaftliche Datenlage berücksichtigt werden. Einfluß auf die Entscheidung muß ebenfalls haben die Patientenpräferenz, allerdings nach sachkundiger ärztlicher Aufklärung.

17:30
Pharmakotherapie, Alltagsaktivität und Befindlichkeit bei geriatrischen Klinikpatienten. Eine Analyse der VALFORTA-Studie
S232-03 

H. Frohnhofen, H. Burkhardt, J. Schlitzer, F. Pazan, M. Wehling; Essen, Mannheim

Hintergrund: Die Pharmakotherapie gehört zu den häufigsten ärztlichen Maßnahmen bei der Behandlung alter Menschen. Wichtige Therapieziele sind die Verbesserung von Funktionalität, Wohlbefinden und Lebensqualität. Wir untersuchten daher den Zusammenhang zwischen diesen Parametern und der zum Zeitpunkt der Aufnahme verordneten Pharmakotherapie.

Methode: Analysiert wurden die Daten der Essener Teilnehmern der VALFORTA-Studie. Die Anzahl der bei Klinikaufnahme verordneten Präparate sowie die mittels ifap® ermittelte Anzahl an Interaktionen wurde mit den Assessmentparametern ADL (Barthel-Index), IADL (n. Brody und Lawton) und Befindlichkeit (WHO-5-Fragebogen) verglichen.

Ergebnisse: Von den 245 Patienten erhielten 16% weniger als fünf Präparate, 61% 5 bis 9 Präparate und 23% zehn und mehr Präparate gleichzeitig. Mit der Zahl der verordneten Präparate stieg die das Risiko von Interaktionen signifikant an. Der IADL-Score und der WHO-5-Score nicht aber der Barthel-Index waren signifikant assoziiert mit der Anzahl der verordneten Präparate und der Anzahl der Interaktionen.

Schlussfolgerungen: Die Anzahl der zum Aufnahmezeitpunkt in eine geriatrische Klinik verordneten Präparate korreliert mit dem Risiko von Interaktionen. Die Anzahl von Interaktionen korreliert mit der Fähigkeit zur selbstständigen Lebensführung (IADL) und der Befindlichkeit, nicht jedoch mit den basalen Aktivitäten des täglichen Lebens. Verlaufsuntersuchungen müssen zeigen, ob eine Intervention im Bereich der Pharmakotherapie zu einer Verbesserung im Bereich IADL und Befindlichkeit führt.

17:45
SAPREMO: Safe Aging - Prevention and Demography at Centre Stage Respecting Polypharmacy - Innovative Interprofessional Intervention to Reduce Onset of Cognitive Dysfunction and Falls and Frac
S232-04 

U. Wolf, R. Meyer; Halle (Saale), Sangerhausen

Background: Working as 1. general practioner or 2. pharmacist as well as 3. nursery means being increasingly involved in management of polypharmacy in geriatric patients with regard to demographic ageing. Within this vulnerable patient group drug safety requires more educated and interprofessional engagement of all health professionals. Public Health´s world wide situation becomes severely and progressively dominated by patients suffering from cognitive decline up to dementia and falls and fractures since decades now without substantial progress in effectively reliable improvement.

Innovative Intervention: Thus, to obtain intense and precise cooperation, communication and networking with regard to polypharmacy SAPREMO was designed addressing all three health professions equally. Operating as a team is the fundamental idea of this interprofessional project involving the three groups treating the same patient at different yet confluencing stages. The innovative aspect is to identify new symptoms that might result from drug effects or side effects and adapt as early as possible. Interprofessional round table educating workshops on polypharmcy in the elderly patients as well as interprofessional educative lectures are implemented throughout the German federal state Saxony Anhalt to provide the basis for the project at baseline. SAPREMO especially aims to leave the most critically universalized step up treatment with further drug therapy to cope with drug induced new symptoms. This is observed to a very alarming degree as by the author´s more than 8680 own detailed medication reviews of geriatric patients in traumatology, intensive care units as well as nursing homes documented. In consequence the worldwide public health´s challenge esp. concerning manifestation of cognitive dysfunction and falls and fractures in the elderly people imperatively requires prevention instead of the overall and most expensive attempt to iron out manifestations of undetected because disregarded drug related problems.

Interprofessional Interest and Support: Cooperating partners are the Medical Council, Pharmacists´ Chamber, General Practioners´ Association and Association of Statutory Health Insurance Saxony Anhalt. The challenging project has started with great resonance striking a significant chord and is supported by the Robert Bosch Foundation.

18:00
CDT in der Geriatrie - Surveillance, Resistogramm und Typisierung
S232-05 

J. Dowideit, A. Krenz-Weinreich; Middelburg, Plön

In der Klinik für Akutgeriatrie haben wir 2015 eine deutliche Häufung von CDT- Enterocolitis- Fällen gegenüber den Vorjahren  verzeichnet.

Mittels daraufhin eingeführter Surveillance , die eine vorausgegangene Antibiotikatherapie, die Schwere der Symptomatik sowie das Ansprechen auf die Therapie mittels Metronidazol oder Vancomycin erfasst , haben wir in 2016 CDT- Fälle unserer Klinik analysiert.

Neben CDT- Antigen und –Toxin – Bestimmung sowie   in unklaren Fällen Anlage einer Kultur auf CDT erstellten wir in einer Patientenserie Resistogramme zur Empfindlichkeitstestung der Erreger auf Metronidazol und Vancomycin. Methodik und Ergebnisse stellen wir vor.

Zur weiteren Erregeridentifizierung nehmen wir CDT - Ribotypisierungen vor und analysieren die Häufigkeiten der verschiedenen in unserer Klinik vorkommenden Stämme.

18:15
Vergleich eines Frailty Index basierend ausschließlich auf Routine-Blut- und Routine-Urin-Parametern (FI-LAB) mit anderen Frailty Instrumenten: Eine longitudinale Analyse
S232-06 

M. Ritt, J. Jäger, J. I. Ritt, C. C. Sieber, K.-G. Gaßmann; Erlangen, Nürnberg

Fragestellung: Eine Limitation eines klassischen klinischen Rockwood et al Frailty Index (FI) ist, dass die Analyse einer Vielzahl klinischer Variablen sehr zeitaufwendig ist. Daher entwickelten und evaluierten Rockwood et al kürzlich einen einfachen FI basierend ausschließlich auf Routine-Blut- und physischen Parametern (Blutdruck und Puls). Analog testeten wir nun einen einfachen FI bestehend ausschließlich aus Routine-Blut- und Routine-Urin-Parametern (FI-LAB) (Ritt et al. Clin Interv Aging 2017, In Press).

Methodik: 306 Patienten ≥ 65 Jahre wurden hinsichtlich eines FI-LAB (22 Routine-Blut- und 1 Routine-Urin-Parameter) und 5 anderen Frailty Instrumenten (ein klassischer klinischer FI, ein kombinierter FI (Variablen des FI-LAB + Variablen des klassischen klinischen FI), die Clinical Frailty Scale (CFS), die CSHA-Regel-basierende Frailty Definition und der Frailty Phänotyp) während ihres stationären Aufenthaltes in einer Klinik für Geriatrie evaluiert und über 1 Jahr nachbeobachtet.

Ergebnisse: Der FI-LAB korrelierte mit all den anderen Frailty Instrumente (alle P < 0.001). Der FI-LAB zeigte einen ausreichenden prädiktiven Wert für die 6-Monats- und 1-Jahres-Mortalität (beide Areas Under the ROC Curve (AUCs) > 0.70, beide P < 0.001). Die AUCs des FI-LAB für die 6-Monats- und 1-Jahres-Mortalität waren niedriger im Vergleich zu den entsprechenden AUCs der CFS, und des kombinierten FI (beide P < 0.05) und zum Teil nicht unterschiedlich oder sogar höher im Vergleich zu den entsprechenden AUCs der anderen Frailty Instrumente (alle P ≥ 0.05 oder < 0.05).

Schlussfolgerung: Der FI-LAB ist ein einfaches und ohne größerem klinischen Aufwand durchführbares Frailty Instrument mit ausreichendem prädiktiven Wert für die 6-Monats- und 1-Jahres-Mortalität bei hospitalisierten geriatrischen Patienten.

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