Donnerstag, 28.09.2017

15:45 - 17:15

Hörsaal 9

S123

Freie Beiträge - Klinische Probleme des älteren Patienten

Moderation: K. Hager, Hannover; M. Gosch, Nürnberg

15:45
Schwindel im Alter - an benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPLS) denken
S123-01 

M. Frackowiak, A. H. Jacobs; Bonn

Hintergrund: Schwindel, Gangstörungen und Stürze zählen zu den führenden geriatrischen Syndromen und finden sich häufig als Komorbiditäten im Alter. Die Differenzialdiagnose für Schwindel ist breit. Dabei sollte der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) nicht übersehen werden, da dieser durch Befreiungsmanöver in der Regel gut zu therapieren ist.

Ziel: Prospektive Untersuchung von geriatrischen Patienten in Bezug auf die klinischen Kriterien für einen BPLS.

Methoden: In Zeitraum 06/2015-04/2017 wurden stationär geriatrische Patienten nach Stürzen gezielt auf anamnestische Hinweise und das Vorliegen eines BPLS hin untersucht. Bei Nachweis pathologischer Lagerungsmanövern wurden entsprechende Befreiungsmanöver durchgeführt.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 1646 Patienten stationär behandelt. Bei n=166 Patienten (9,9 %; mittleres Alter 81,7 Jahre; 119 Frauen, 47 Männer) fanden sich anamnestische Hinweise für einen BPLS. Dieser konnte bei 56/166 (33,7 %) Patienten (mittleres Alter 80,1 Jahre; 47 Frauen, 9 Männer) im Lagerungsmanöver bestätigt werden. Dabei fanden sich in 22/56 (39,3 %) der linke posteriore Bogengang, in 30/56 (53,6 %) der rechte posteriore Bogengang und in 4/56 (7,1 %) der horizontale Bogengang betroffen. Durch Befreiungsmanöver konnte bei allen Patienten Beschwerdefreiheit erzielt werden.

Schlußfolgerung: Der BPLS sollte bei geriatrischen Patienten mit anamnestischen Hinweisen für eine lagerungsbedingte Schwindelgenese bedacht und entsprechend untersucht werden. In der Regel ist durch Befreiungsmanöver Beschwerdefreiheit zu erzielen.

16:00
Clostridium difficile beim geriatrischen Patienten
S123-02 

R. Simmerlein, M. Gosch; Nürnberg

Hintergrund: Clostridium difficile (CD) ist der häufigste Erreger einer nosokomialen antibiotika-assoziierten Diarrhoe. Geriatrische Patienten sind am häufigsten betroffen. Die Mortalitätsrate steigt mit zunehmendem Lebensalter an und beträgt bei 80-jährigen bereits über 10%. Ziel der Studie: Detektion von Prädiktoren für Krankenhausmortalität bei geriatrischen Patienten im Zusammenhang mit einer Clostridium difficile Infektion(CDI).

Methoden: Die retrospektive Studie wurde in der geriatrischen Abteilung des Klinikums Nürnberg durchgeführt. Von den 3168 behandelten Fällen aus dem Jahr 2014 konnten 148 Patienten (4,7%), an mit einer CDI in die Studie eingeschlossen werden. Für die statistische Auswertung wurde das Patientenkollektiv in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe „Lebend“ (n=132) und Gruppe „Verstorben“ (n=16). Die Gruppe „Verstorben“ bestand aus Patienten, die im Rahmen des stationären Aufenthaltes an einer CDI oder deren Komplikationen verstarben.

Ergebnisse: Es zeigten sich vor allem im Bereich der Laborwerte und der Vitalzeichen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. Hohe Infektzeichen als auch schlechte Nierenretentionsparameter mit höheren Kaliumwerten bei Aufnahme sprechen für eine schwerere Infektion bzw. höhere Krankenhausmortalität. Dazu passt auch die erhöhte Herzfrequenz als Hinweis auf eine schwere Infektion. Die häufige Gabe von Carbapenemen in der Gruppe „Verstorben“ deutet auf primär schwerwiegende unkontrollierte Infekte hin und kann daher ggf. als Mortalitätsprädiktor angesehen werden. Ferner zeigte sich in der Gruppe „Verstorben“ eine signifikant höhere Anzahl von verordneten Medikamenten. Der CCI-Punktwert wird durch die Anzahl der Komorbiditäten berechnet. Im gesamten Patientenkollektiv zeigte sich ein CCI-Punktwert mit einem Median von 3.00 [IQR 2,00;5,00]. Ein signifikanter Unterschied in beiden Gruppen zeigte sich nicht, allerdings lag der CCI in der Gruppe „Verstorben“ einen Punktwert höher. Im logistischen Regressionsmodel zeigten sich Leukozyten und CRP als unabhängige Prädiktoren für Krankenhausmortalität.

Schlussfolgerung: Der Vergleich beider Gruppen zeigt signifikante Unterschiede. Erhöhte Infektwerte, Herzfrequenz, Anzahl der Medikamente und Carbapeneme waren signifikant mit Krankenhausmortalität assoziiert. Komorbiditäten zeigten hingegen nur einen tendenziellen Einfluss auf die Krankenhausmortalität.

16:15
Prävalenz der oropharyngealen Dysphagie des geriatrischen Patienten und Analyse assoziierter und medikamentös-iatrogener Risiken
S123-03 

S. Gregor, G. Walter, C. Naumann, U. Wolf; Halle (Saale)

Hintergrund und Ziel: Bezgl. des komplexen Vorgangs des Schluckens gibt es heterogene Ursachen einer möglichen Dysphagie,  v.a. die Assoziation mit ZNS-/organischen Schädigungen. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf 1. Erfassung der Prävalenz einer oropharyngealen Dysphagie (Dys) beim geriatr. Patienten (Pat) und 2. Konsekutiver Analyse möglicher medikamentös-iatrogener Ursachen und potentieller Assoziationen. Auch Dys-Leitlinien berücksichtigen diesen Aspekt bei den geriatr. Pat bisher nicht.

Methode: Anhand einer Stichprobe von 200 Pat einer Klinik für Geriatrie wurden im Rahmen einer restrospektiven Querschnittsstudie umfassende Daten am Aufnahmetag erhoben: Demographie, Nutritional Status (NSt), Mini-Mental-Status (MMS), Klinische Schluckuntersuchung nach Stanschus (KSU) als generelles Screening für eine Dys bei allen Pat, sämtliche Vorerkrankungen, Laborparameter, detaillierte Medikamentenliste.

Ergebnisse: Bei den 200, im Mittel 84±6,5 Jahre alten Pat, 65% weibl. und 35% männl., beträgt die Dys-Rate nach KSU 29 % (n=58). Im Vergleich zu Frauen (21%) weisen Männer (45%) häufiger eine Dys auf. Ohne Alterseffekt findet sich die Dys häufiger bei Heim-Pat (36%) im Vergleich zu Pat aus eigener Wohnung (27%). Hinsichtlich Begleiterkrankungen Diabetes mellitus, COPD, EK des oberen Gastrointestinaltraktes und des NSt bestehen keine Unterschiede. Auch eine Niereninsuffizienz zeigt keinen neg. Einfluss. Dys-Pat weisen ein 1,5 fach erhöhtes Risiko einer Pneumonie auf. Es findet sich prozentual häufiger eine ACE-Hemmer assoziierte Hyponatriämie (71%) als bei Hyponatriämie-Pat ohne Dys (44%). Bei Erkrankungen des ZNS (ZNS-K) zeigt sich ein 6,9fach erhöhtes Risiko einer Dys {KI95% (3,7;14,8)}, p<0,001). Eine weitere stat. sign. Assoziation ergibt sich für Neuroleptika mit einem Odds Ratio (OR) von 2,5 - adjustiert nach ZNS-K: 1,9 OR; Antiparkinsonmittel: 2,8 OR - adjustiert nach ZNS-K: 1,3 OR; Benzodiazepine: 4,4 OR - adjustiert nach ZNS-K: 2 OR. Bei Antidepressiva besteht ein 2,1 fach erhöhtes Risiko einer Dys, dies unverändert nach ZNS-K-Adjustierung. Bei den Antiepileptika erhöht sich nach Ausschluss des Effektes durch ZNS-K sogar das Risiko von 1,4 auf 1,7 OR.

Präliminare Konklusion: Insbesondere bei bereits manifester neurologischer Erkrankung findet sich der Hinweis auf eine durch bestimmte Medikamentengruppen aggravierte/induzierte Dysphagie. Die Indikationsstellung für Neuroleptika und Antidepressiva, auch Benzodiazepine und näher zu differenzierende Antiepileptika ist äußerst sorgfältig zu prüfen, um der Dysphagie potentiell auch präventiv zu begegnen.

16:30
Diagnose der Exsikkose im hohen Alter - Was kann anders sein?
S123-04 

K. Hager; Hannover

Hintergrund: Exsikkose bzw. Dehydratation bezeichnet einen Mangel an Flüssigkeit im Organismus. In Querschnittsstudien wird ein Flüssigkeitsmangel bei alten Menschen mit einer Prävalenz von 20–30% angegeben. Dies betrifft alte Menschen im Krankenhaus und in Pflegeheimen, jedoch auch zuhause lebende alte Menschen.

Ziel: Die Problematik der Diagnose der Exsikkose im Alter, besonders die Unterschiede zum jüngeren Menschen sollen anhand von Hinweisen aus der Literatur dargestellt werden.

Resultate: Es gibt eine Vielzahl von bekannten klinischen wie laborchemischen Zeichen, die auf eine Exsikkose hindeuten können. Diese Hinweise verlieren im Alter aber ihre Verlässlichkeit. Stehende Hautfalten können einem vorausgegangenen Gewichtsverlust geschuldet sein und eben nicht einer Exsikkose. Mundtrockenheit ist im Alter häufig und kann auf vielen unterschiedlichen Ursachen (z.B. Medikamente) beruhen. Die Nierenwerte sind bei alten Menschen ohnehin oft erhöht, d.h. erhöhte Nierenwerte als Momentaufnahme müssen nicht unbedingt durch eine Exsikkose bedingt sein. Falls im gut hydrierten Zustand eine Anämie vorliegt, so kommt es bei einer Verminderung des intravasalen Volumens lediglich zu einer „Normalisierung“ der Hämoglobinkonzentration, nicht jedoch zu einer Erhöhung des Hämatokrits. Dementsprechend kommt eine Cochrane Review aus 2015 zur Schlussfolgerung, dass kein einzelner Test zur Diagnose einer Exsikkose im Alter aussagekräftig ist.

Folgerung: Die Exsikkose kann im Alter somit atypisch bzw. oligosymptomatisch imponieren und ein einfaches diagnostisches Kriterium fehlt. Daher sollte eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes bzw. ein akutes Delir, für die es sonst keine Erklärung gibt, auf eine Exsikkose hinweisen. Derzeit gibt es keine Evidenz für die Verwendung eines einzelnen Tests oder eines einzelnen Symptoms für die Diagnose einer Exsikkose bei alten Menschen. Die errechnete Osmolalität oder Osmolarität kann einen Beitrag in der Einschätzung liefern. Bei klinischem Verdacht sollte im Zweifelsfall Flüssigkeit substituiert werden. Eine rasche Verbesserung der genannten Parameter unter Rehydrierung untermauert dann die Diagnose.

16:45
Vorhofflimmern bei geriatrischen Patienten - Häufigkeit, Risiko und Therapie
S123-05 

K.-G. Gaßmann; Erlangen

Die Inzidenz des Vorhofflimmerns (AF) nimmt mit dem Lebensalter zu, wodurch besonders Patienten im höheren Lebensalter betroffen sind. Diese weisen oft eine ausgeprägte Multimorbidität mit komplexer Multimedikation auf. Für diese definierte Patientengruppe liegen hierzu keine größeren multizentrischen Studien vor. Die Studie untersucht Häufigkeit, Risiko und Therapie von AF bei einer großen Kohorte stationärer geriatrischer Patienten aus 84 geriatrischen Abteilungen/Kliniken. Hierzu wurden die Ergebnisse aus der Geriatrie-in-Bayern-Datenbank (GiB-DAT) aus dem Jahre 2016 untersucht. Bei 34883 stationären Patienten (Durchschnitt 81 Jahre) bestand bei 10120 (29%; m 32,5%, w 27,3%) die Diagnose Vorhofflimmern. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter stark an: von 15,9% bei den 60-69jährigen auf 31,7% bei den 90jährigen. Der durchschnittliche CHA2DS2-VASc-Score betrug 4,4 (m 3,82, w 4,75). 76,5% hatten einen Score ≥ 4. Ab dem 75. Lebensjahr steigt der Score nur noch wenig an. Alter ist ein Risikofaktor für Schlaganfälle, ebenso für Blutungen, Frailty und Stürze. Noch vor wenigen Jahren wurde die Antikoagulation deshalb als problematisch angesehen. Im Jahr 2010 erfolgte diese bei AF bei 33,1%, ist aber in den Folgejahren kontinuierlich angestiegen auf 53,5% in 2016. Die NOAKs spielen hierbei eine zunehmende Rolle: diese kamen 2010 bei 0,04%, zwischenzeitlich bei 25,9% zum Einsatz. Offensichtlich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass auch bei hochbetagten, multimorbiden und Patienten der Nutzen einer Antikoagulation bei AF das Risiko überwiegt.

17:00
Valsalva-Manöver und Verhalten des systolischen Blutdrucks als Verlaufsparameter einer Herzinsuffizienz
S123-06 

J. Schlitzer, H. Frohnhofen; Essen

Hintergrund: Das Verhalten des systolischen Blutdruckes während eines Valsalva-Manövers korreliert mit dem Vorliegen einer Herzinsuffizienz. Dabei werden die drei Reaktionstypen: sinusoidal (Typ A), fehlender Anstieg nach Beendigung des Pressens (Typ B) und Quadratform (Typ C) unterschieden. Typ A gilt als normale Reaktion, Typ B weist auf eine moderate und Typ C auf eine ausgeprägte Herzinsuffizienz hin. Dieser einfache Test scheint gerade für alte Menschen mit oft atypischer Symptomatik zur Verifizierung einer Herzinsuffizienz sinnvoll. Unklar ist jedoch, ob sich dieser Test auch zur Verlaufskontrolle und Therapiesteuerung eignet.

Methodik: Wie untersuchten daher die Veränderung des Reaktionstyps währende eines stationären Aufenthaltes und korrelierten die Veränderungen mit dem NT-pBNP-Wert als humoraler Parameter für eine Herzinsuffizienz.

Ergebnisse: Einhundertvierunddreißig Patienten wurden eingeschlossen. Von 55 (41%) Patienten mit Typ A Reaktion bei Aufnahme entwickelten 8 (15%) eine Typ B Reaktion und keiner eine Typ C Reaktion. Die entsprechenden Veränderungen bei den Patienten 28 (21%) mit Typ B Reaktion bei Aufnahme waren Typ A (13/46%) und Typ C (3/11%). Bei den 51 (38%) Patienten mit Typ C Reaktion bei Aufnahme zeigten im Verlauf 3 (6%) eine Typ A Reaktion und 9 (18%) eine Typ B Reaktion. Die Werte für den NT-pBNP-Wert veränderten sich in die jeweils erwartet Richtung.

Schlussfolgerung: Der Reaktionstyp des systolischen Blutdruckverhaltens während eines Valsalva-Manövers und seine Veränderungen im stationären Verlauf korrelieren mit dem Biomarker NT-pBNP einer Herzinsuffizienz. Diese Verfahren scheint auch als Verlaufsparameter einer Herzinsuffizienz geeignet zu sein.

Zurück






Plenum Wissen­schaft­liche Sitzung Lunch­symposium Gremium

 

Diese Website verwendet Cookies