Donnerstag, 28.09.2017

15:45 - 17:15

Hörsaal 11

S124

Bewegung und körperliches Training in den Alltag integrieren: Neue Interventionsstrategien

Moderation: M. Schwenk, Heidelberg

15:45
Lifestyle-integrated Functional Exercise Training (LiFE): Vergleich eines gruppenbasierten- und individuell vermittelten LiFE Programms im Hinblick auf Effektivität und Kosten
S124-01 

C.-P. Jansen, C. Becker, J. Klenk, H.-H. König, H.-W. Wahl, L. Schmidt, M. Schwenk; Heidelberg, Stuttgart, Ulm, Hamburg

Fragestellung: Im Gegensatz zu anderen Programmen hat sich das Lifestyle-integrated Functional Exercise (LiFE) Programm als erfolgreich darin erwiesen, die körperliche Aktivität (kA) zu erhöhen und gleichzeitig das Sturzrisiko zu senken. Aufgrund der hohen Personal- und Kosten­intensivität des individuell vermittelten LiFE-Programms (iLiFE) wird im Projekt LiFE-is-LiFE erstmals untersucht, ob eine gruppen­basierte Variante (gLiFE) 1) genauso wirksam und 2) kostengünstiger ist.

Methodik: In einer zweiarmigen multizentrischen, randomisierten, kontrollierten Nichtunterlegenheits­studie (= 300; >70 Jahre; mind. 1 Sturz im vorangegangenen Jahr) nimmt über 6 Monate je die Hälfte der Probanden am iLiFE (7 Hausbesuche, 2 Telefonate) und gLiFE (7 Gruppen­besuche, 2 Telefonate) teil. Das Training ist für beide Gruppen gleich und beinhaltet die habituelle Integration von kA, Kraft- und Balanceübungen in ausgewählte Alltags­aktivitäten mit dem Ziel der Sturzprävention und der Förderung eines aktiven Lebensstils. Messungen werden zu Beginn, nach 6 und 12 Monaten durchgeführt; primärer Endpunkt ist die Sturzrate, adjustiert für die mittels Aktivitätssensoren erfasste kA. Sekundäre Endpunkte sind eine Reihe von gesundheitsökonomischen, funktionellen, und psychosozialen Variablen.

Ergebnisse: Es wird erwartet, dass gLiFE die kA in ähnlichem Maße erhöht und eine vergleichbare Sturzrate pro kA produziert wie iLiFE, allerdings geringere Kosten verursacht. Nichtunter­legenheit von gLiFE wird angenommen bei <20% Effektivitätsunterschied zu iLiFE.

Schlussfolgerungen: Durch eine innovative, in den realen Alltag integrierte Intervention, eine sensorgestützte Assessmentstrategie, rigoroses Studiendesign und die große Stichprobe, stellt das Projekt eine hochwertige Evaluation eines hochrelevanten Ansatzes zur Sturzprävention und kA-Förderung im Alltag dar. Die Nichtunterlegenheit des gLiFE würde den hohen Wert einer flächen­deckenden und kostengünstigen Etablierung des  Programms unterstreichen.

16:05
Mit dem Smartphone dem Altern vorbeugen: Das enhanced Lifestyle-integrated Functional Exercise Programme (eLiFE)
S124-02 

M. Schwenk, C. Oberle, C. Barz, M. Weber, C. Becker, The PreventIT Consortium; Heidelberg, Stuttgart, Trondheim/N

Fragestellung: Im Rahmen des EU-Projekts PreventIT wurde ein Trainingsprogramm entwickelt, welches dem funktionellen Abbau in der frühen Altersphase (60-70 Jahre) entgegenwirken soll. Das Programm basiert auf dem „Lifestyle-integrated Functional Exercise“ (LiFE) Konzept, welches bislang nur für hochbetagte Menschen entwickelt war. LiFE wurde an die Zielgruppe der jungen Älteren angepasst (aLiFE). Zur Personalisierung, Motivation und Verhaltensmodifikation wurde zusätzlich ICT Technologie (Smartphone und Smartwatch) integriert (eLiFE). Ziel der Studie war es, die Durchführbarkeit und Akzeptanz von eLiFE zu überprüfen. 

Methodik: Es wurden 15 Teilnehmer (TN) in eine multizentrische Pilotstudie (Stuttgart, Amsterdam, Trondheim) eingeschlossen. eLiFE wurde über einen Monat während 4 Hausbesuchen von geschulten Trainern vermittelt. Zur Evaluation wurden Usability Questionnaire for eLiFE (UQe), Motivational Elements Questionnaire for eLiFE (MEQe), Technology Satisfaction Questionnaire (TSQ), System Usability Scale (SUS) und Self-Report Behavioural Automaticity Index (SRBAI) eingesetzt.

Ergebnisse: Von den 15 TN (67.2 ± 2.7 Jahre) beendeten 14 die Intervention. Ein TN schied vorzeitig aus, da Interventionsinhalte nicht zu den individuellen Zielsetzungen passten. Insgesamt war die Mehrheit der TN zufrieden mit eLiFE (UQe Median Score 6 von 7). Der Großteil erkannte in der ICT-Technologie einen zusätzlichen Nutzen (TSQ Median Score 3 von 4). Die meisten TN wollten die Technologie auch nach Ende der Intervention weiter verwenden (SUS Median 4 von 5). Die  eLiFE Strategien zur Verhaltensänderung und Motivation wie individuelle Zielsetzung und automatische Erinnerungsnachrichten wurden positiv aufgegriffen (MEQe Median 6 von 7). Die SRBAI Ergebnisse weisen zudem auf eine einsetzende Automatisierung der durchgeführten eLiFE Aktivitäten im Sinne einer Gewohnheitsänderung hin.

Schlussfolgerungen: Mit eLiFE existiert erstmalig eine ICT-basierte Variante des LiFE Programms, welche die angestrebte Verhaltensänderung hin zu einem aktiveren Lebensstil über theoriebasierte technologische Konzepte verstärken soll. Die Ergebnisse zeigen, dass das Programm eine hohe Durchführbarkeit und Akzeptanz in der Zielgruppe aufweist. Derzeit wird eLiFE im Rahmen eines umfangreichen RCTs mit dem konventionellen aLiFE Programm verglichen.     

16:25
Training für Personen im Renteneintrittsalter: Multizentrische Machbarkeitsstudie zur Evaluation eines neuen Trainingsprogrammes mit und ohne ICT Einsatz
S124-03 

S. Mikolaizak, C. Becker, M. Schwenk, The PreventIT Consortium; Stuttgart, Heidelberg, Trondheim/N

Fragestellung: Die Lebenserwartung und der Altersdurchschnitt der europäischen Bevölkerung steigen zunehmend. Körperliche Aktivität (kA) kann die funktionelle Kapazität und allgemeine Gesundheit verbessern und Erkrankungen im Alter mindern. Insbesondere nach dem Eintritt in den Ruhestand nimmt der Umfang an körperlicher Aktivität signifikant ab. Zur Entwicklung eines aktiven Lebensstils ist eine Verhaltensänderung notwendig. Das PreventIT Consortium entwickelte hierfür das adaptierte Lifestyle Integrated Functional Exercise Programme (aLiFE), wobei Übungen zur Steigerung von Kraft, Gleichgewicht und kA gezielt in Alltagssituationen integriert werden. Eine mobile Applikation (app) ermöglicht älteren Menschen, dieses individuelle Programm mittels ICT Technologie (Smartphone-  und watch) zu nutzen (eLiFE).

Methodik: In einer dreiarmigen, multizentrischen, randomisierten kontrollierten Machbarkeitsstudie (n=180; 61-70 Jahre) nehmen je 60 Probanden pro Standort (Stuttgart, Trondheim, Amsterdam) an eLife, aLiFE und Kontrollintervention teil. Über einen Zeitraum von 12 Monaten wird die Auswirkung von Verhaltensänderungsinterventionen und alltagsintegrierten Übungen (eLiFE und aLiFE) mit allgemeinen kA-Empfehlungen (Kontrollgruppe) verglichen. Primäre Endpunkte sind die Einschränkung der körperlichen Funktion und Selbstständigkeit gemessen mittels Late-Life Function and Disability Instrument (LLFDI)) und die Komplexität der kA gemessen über Aktivitätssensoren.

Ergebnisse: Es wird erwartet, dass Probanden der aktiven Interventionsarme gesteigerte und komplexere kA Charakteristika und verbesserte LLDFI Ergebnisse gegenüber der Kontrollgruppe vorweisen. Durch ICT-basierte Unterstützung wird eine höhere Interventionsadhärenz in der eLiFE Gruppe erwartet.

Schlussfolgerung: Präventive Maßnahmen, welche einen selbstständigen und aktiven Lebensstil fördern, werden vor allem für „jüngere Ältere“ benötigt. Das individuell gestaltbare e/aLiFE Programm bietet hierfür einen evidenzbasierten zukunftsweisenden Ansatz. Die vorliegende Studie erlaubt aufgrund hochwertigen Forschungsdesigns, innovativer Interventionen und europäischer Ausrichtung eine fundierte Aussage zur Machbarkeit des primärpräventiven Ansatzes

16:45
Die Community Balance & Mobility Scale - ein geeigneter Test zur Ermittlung von Gleichgewichts- und Mobilitätsdefiziten bei jungen Älteren?
S124-04 

M. Weber, K. Gordt, J. van Ancum, R. Bergquist, K. Taraldsen, A. B. Maier, J. L. Helbostad, C. Becker, M. Schwenk; Heidelberg, Amsterdam/NL, Trondheim/N, Stuttgart

Hintergrund. Die steigende Zahl junger Älterer (60-70-Jähriger) erfordert die Entwicklung geeigneter Messinstrumente zur Erfassung von Gleichgewicht und Mobilität in dieser Zielgruppe. Ziel dieser Studie ist es, die Gütekriterien der Community Balance & Mobility Scale (CB&MS), einer anspruchsvollen Skala zur Ermittlung von Gleichgewichts- und Mobilitätsleistungen, bei jungen Älteren zu testen.

Methode. Die CB&MS wurde in einer Stichprobe von 51 Personen (66.4 ± 2.7 Jahre) evaluiert. Zur Bestimmung der Übereinstimmungsvalidität wurden die Fullerton Advanced Balance scale (FAB), der Timed-Up-and-Go (TUG), die 8-level balance scale, der 3-Meter Tandem Walk (3MTW) und die Ganggeschwindigkeit herangezogen. Die Reliabilität wurde mittels Intra-class Correlation Coefficients (ICC) und die internale Konsistenz mittels Cronbach’s alpha berechnet. Standardized Response Means (SRM) dienten der Ermittlung der Veränderungssensitivität nach 4-wöchiger Intervention.

Ergebnisse. Die CB&MS korreliert hoch mit FAB (ρ = 0.74; p < .001), gut mit 3MTW (ρ = 0.61; p < .001) und moderat mit TUG, Ganggeschwindigkeit und 8-level balance scale (ρ = 0.31-0.52, p < .05). Die ICC’s zeigten eine hohe Reliabilität (ICC > 0.95), und die Internale Konsistenz (α = .74) sowie Veränderungssensitivität (SRM = 0.75, p < .001) erwiesen sich als gut. Im Gegensatz zur FAB und 8-level balance scale zeigte die CB&MS keine Deckeneffekte.

Schlussfolgerung. Die Messeigenschaften der CB&MS bei jungen Älteren erweisen sich als sehr gut bis gut. Die Skala empfiehlt sich zur Ermittlung von Gleichgewichts- und Mobilitätsdefiziten sowie interventionsbezogenen Veränderungen in dieser Zielgruppe. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Aufdeckung frühzeitiger altersbedingter Gleichgewichts- und Mobilitätsdefizite relevant, welche möglicherweise über existierende Messinstrumente nicht ausreichend identifiziert  werden.

 

 

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