Donnerstag, 28.09.2017

10:00 - 11:30

Hörsaal 8

S112

Assessment

Moderation: S. Krupp, Lübeck; H. Frohnhofen, Essen

Dirk K. Wolter unterstützt uns in seinem Vortrag darin, aus der Fülle einsetzbarer Instrumente des Schmerz-Assessments für geriatrische Patienten mit demenziellem Syndrom eine kluge Auswahl zu treffen.

Helmut Frohnhofen erläutert die Zusammenhänge zwischen Tagesschläfrigkeit – erfasst über den „Essener Fragebogen Alter und Schläfrigkeit“ (EFAS) – und Selbsthilfefähigkeit, Mobilität, Kognition und Krankenhausverweildauer.

Ilse Gehrke berichtet über ihre Erfahrungen mit einer Kombination aus dem Screening nach Lachs und quantifizierenden Kurztests im Nachgang zum ISAR-Screening in der internistischen Notaufnahme.

Wolfgang Anderer präsentiert das in Bad Windsheim entwickelte Sozialassessment, dessen Anwendung über den Nutzen für den Einzelnen hinaus Impulse für die Planung künftiger Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum geben kann.

Sonja Krupp stellt eine Assessment-Batterie für pflegebedürftige geriatrische Patienten außerhalb des Krankenhauses vor, die die Effekte des Trainings gemäß „Lübecker Modell Bewegungswelten“ abbilden soll.

10:00
Schmerz-Assessment bei kognitiver Beeinträchtigung und Demenz
S112-01 

D. K. Wolter; Aabenraa/DK

Bereits vor 20 Jahren wurde in Publikationen darüber berichtet, dass Demenzkranke bei akuten Schmerzen z. B. nach hüftgelenksnahen Frakturen, weniger intensiv analgetisch behandelt werden als vergleichbare Patienten ohne kognitive Einbußen, eine Beobachtung die später auch für chronische Schmerzen bei Heimbewohnern wie in eigener Häuslichkeit bestätigt wurde. Vor diesem Hintergrund wird seit längerem eine unzureichende Schmerzbehandlung von Demenzkranken beklagt unter der Annahme, dass nicht geringere Schmerzen, sondern Defizite bei der Schmerzerkennung Grund für diese Diskrepanzen sind. Wenn es zutrifft, dass Schmerzen bei Demenzkranken aufgrund fehlender verbaler Kommunikationsmöglichkeiten oft nicht erkannt werden, stellt sich die Frage, auf welche anderen Möglichkeiten der Schmerzerkennung man zurückgreifen kann. Dies sind im Wesentlichen Indikatoren im Bereich des beobachtbaren Verhaltens – z. B. des Gesichtsausdrucks ­ –, wobei auf der Hand liegt, dass subjektive Faktoren bei der Interpretation eine nicht unbedeutende Rolle spielen; der Summenscore einer Schmerzskala kann nicht denselben Rang als interindividuell objektiver Maßstab haben wie ein Laborwert, die Blutdruckmessung oder die Körpertemperatur. Weltweit gibt es heute zwischen 20 und 30 Instrumente zur Schmerzerkennung bei Demenz, deren Entwicklung Überschneidungen mit Kinderheilkunde, Intensivmedizin und Palliativmedizin aufweist. Die wichtigsten Instrumente werden in ihrem Aufbau sowie mit Stärken und Schwächen dargestellt.

Literatur:
Kunz M, Lautenbacher S: Schmerz und Demenz. In: Schuler M (Hrsg.): Schmerztherapie beim älteren Patienten. Berlin: de Gruyter 2016. 39-54 Lichtner V, Dowding D, Esterhuizen P, Closs SJ, Long AF, Corbett A, Briggs M: Pain assessment for people with dementia: a systematic review of systematic reviews of pain assessment tools. BMC Geriatr. 2014 Dec 17;14:138 Wolter DK: Schmerzen und Schmerzmittelabhängigkeit im Alter. Die gerontopsychiatrische Perspektive. Stuttgart: Kohlhammer. 2017
Weitere Hinweise und Downloadmöglichkeiten auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie: http://www.dggpp.de/Arbeitsmaterial/

10:15
Messung von Schläfrigkeit bei geriatrischen Klinikpatienten
S112-02 

H. Frohnhofen, J. Schlitzer, M. Wehling; Essen, Mannheim

Hintergrund: Schläfrigkeit ist auch im höheren Lebensalter kein normales Phänomen. Schläfrigkeit am Tage wir in der Altersmedizin zwar oft beobachtet, jedoch kaum als relevantes Problem in den gesamten Behandlungsprozess eingebunden. Ein Grund dafür ist das Fehlen valider Assessmentinstrumente.

Methodik: Mit dem Essener Fragebogen Alter und Schläfrigkeit steht erstmals ein speziell für ältere Menschen entwickeltes und validiertes Fremdbeurteilungsinstrument zur Erfassung von Schläfrigkeit zur Verfügung. Wir untersuchten mit diesem Instrument die Patienten der VALFORTA Studie, um den Zusammenhang zwischen Schläfrigkeit, Funktionalität und Hirnleistung zu bestimmen.

Ergebnisse: Eingeschlossen wurden 318 geriatrische Klinikpatienten. Von diesen Patienten zeigten 158 (50) keine, 95 (30%)eine leichte und 78 (20%) eine schwere Tagesschläfrigkeit (TS). Die TS was signifikant mit dem Barthel-Index bei Aufnahme und Entlassung im Sinne einer Dosis-Wirkungsbeziehung assoziiert. Die Mediane (und 25%-75% IQR) der Barthel-Indices bei Aufnahme und Entlassung betrugen bei Patienten ohne TS 60 (40-75) /70 (55-85), bei leichter TS 50 (30-65)/60 (40-75) und bei schwerer TS 40 (25-60)/45 (30-70). Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren signifikant. Patienten mit TS hatten waren auch in den Mobilitätstest signifikant schlechter und hatten eine signifikant längere Krankenhausverweildauer.

Schlussfolgerung: TS lässt sich mittels EFAS messen und ist signifikant mit zahlreichen Assessmentparametern assoziiert. Da TS behandelbar ist, sollte diese routinemäßig im Rahmen des geriatrischen Assessments gemessen werden. Hierzu steht mit dem EFAS ein validiertes Instrument zur Verfügung.

 

10:30
Quantifiziertes Screening nach Lachs: Das geriatrische Kurzassessment
S112-03 

I. Gehrke; Donaueschingen

Die Identifikation geriatrischer Risikopatienten erlangt deutschlandweit zunehmend klinische Bedeutung. Einzelne Landesgeriatriekonzepte verlangen flächendeckend das geriatrischen Screenings in der Krankenhausnotaufnahme. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen und die differenzierten Risikoerfassung bleiben häufig unklar. Angesichts knapper Ressourcen steht das gesamte Gesundheitssystem hier vor einer enormen Herausforderung.

In einem allgemeinen Versorgungskrankenhauses wurde in der internistischen Notaufnahme das ISAR Screening eingeführt. Risikopatienten erhielten, wie im Baden-Württemberger Geriatriekonzept vorgegeben, ein Screening nach Lachs, welches aber keine quantifizierbaren Ergebnisse erbringt.

Fragestellung: Wie ist unter den Bedingungen des Akutkrankenhauses, bei begrenzter Personalvorhaltung, ein adäquates Assessment bei Risikopatienten in der Routine zu implementieren.

Methodik: Das Screening nach Lachs wurde in den Bereichen, in denen ein kurzes Assessmentinstrument zur Verfügung steht, um dieses ergänzt. Die Auswahl des Instrumentes wurde bestimmt durch die Kürze der Zeit und durch die einfache Durchführung, die dann, nach Einweisung, durch medizinische Fachangestellte erfolgte. Dieses wird seit ca 1,5 Jahren durchgeführt.

Ergebnisse: Das geriatrische Kurzassessment kommt in wesentlichen Bereichen des Lachs-Screenings zu quantifizierbaren Aussagen. Das Zeitfenster für Kurzassessment und Dokumentation wurde mit 45 Minuten bemessen und beträgt etwa das Doppelte des einfachen Screening nach Lachs. Es hat sich als praktikabel und treffsicher erwiesen. Insbesondere in Situationen, in denen die häusliche Versorgung unsicher erscheint, trägt es zur Objektivierung der funktionellen Einbußen bei. Im langfristigen Verlauf ermöglicht es eine Beurteilung der funktionellen Entwicklung.

Zusammenfassung: Das quantifizierte Screening nach Lachs ermöglicht einen strukturierten Überblick über die funktionelle Situation anhand validierter Instrumente. Dass Kurzassessment zwar durchaus zeitaufwändig, abhängig von vorliegenden funktionellen Einschränkungen, aber im klinischen Alltag praktikabel und in eine Funktionsdiagnostik zu integrieren.

Ausblick: Mit Beginn 2017 erfolgte die Erweiterung des Verfahrens im Hinblick auf etwaige vorliegende Frailty-Kriterien, die dann bei Vorliegen einer Frailty in die Diagnosen aufgenommen werden. 

10:45
Das geriatrische Sozialassessment als Grundlage der Vernetzungsarbeit zur Entwicklung von Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum
S112-04 

W. Anderer, J. Mühlroth; Bad Windsheim

In der Klinik Bad Windsheim werden jährlich rund 800 Patienten frührehabilitativ und über 500 Patienten rehabilitativ behandelt. Wesentliche Behandlungsziele sind Rückkehr in die gewohnte soziale Umgebung sowie Vermeidung bzw. Linderung von Behinderung und Pflegebedürftigkeit. Behandelt werden überwiegend Patienten aus dem Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, einem dünnbesiedelten, ländlich strukturierten Flächenlandkreis.

Eine Kernaufgabe des Entlassmanagements ist die Organisation der notwendigen Hilfe für diejenigen Menschen, die im häuslichen Umfeld weiterversorgt werden. Dazu ist es nötig, einerseits den individuellen Bedarf und die Ressourcen der einzelnen Patienten zu erfassen, andererseits die verfügbaren Versorgungsangebote zu kennen.

Durch das in der Klinik entwickelte soziale Assessment werden die erforderlichen Informationen strukturiert erfasst.

Die gewonnenen Daten ermöglichen einen Abgleich der vor Ort benötigten mit den vorhandenen Versorgungsangeboten. Daraus lassen sich Ansätze zur Verbesserung der Versorgungsstruktur ableiten und entsprechende Maßnahmen anstoßen.

Dargestellt werden das in der Klinik entwickelte soziale Assessment und bereits erfolgte und geplante Aktivitäten zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen für geriatrische Patienten.

11:00
Assessment im Pflegeheim - Komposition der Assessment-Batterie des Präventivprogramms „Lübecker Modell Bewegungswelten”
S112-05 

S. Krupp, C. Ralf, A. Krahnert, T. Schmidt, A. Hermes, F. Balck, M. Willkomm; Lübeck, Kiel

Fragestellung: Wegen der Notwendigkeit, noch erhaltene Ressourcen nicht nur vor, sondern auch nach Eintritt von Pflegebedürftigkeit multimodal multidimensional zu fördern, um ihrem weiteren Schwund entgegenzuwirken, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein entsprechendes Programm in Auftrag gegeben und die Forschungsgruppe Geriatrie Lübeck am Krankenhaus Rotes Kreuz Lübeck, Geriatriezentrum das „Lübecker Modell Bewegungswelten“ entwickelt. Wie kann eine Assessment-Batterie so zusammengestellt werden, dass sich die Zielparameter der Intervention damit abbilden lassen? Wie wird dabei auf die reduzierte Belastbarkeit und erhöhte Vulnerabilität der Teilnehmer Rücksicht genommen?

Methode: Das Training gemäß „Lübecker Modell Bewegungswelten“ soll über eine Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten, Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer die Voraussetzungen für mehr Selbstständigkeit schaffen, den Teilnehmern Spaß machen und ihre sozialen und kognitiven Kompetenzen stärken. Unter Berücksichtigung geriatrischer, sport- und pflegewissenschaftlicher sowie physiotherapeutischer Aspekte erfolgte eine Auswahl aus etablierten Testverfahren, diese wurden unter praktischer Erprobung wo nötig modifiziert oder ergänzt und ihre Ausführung und Bewertung mittels eines Manuals genau festgelegt.

Ergebnisse: Die Durchführung der folgenden Assessment-Batterie dauert einschließlich Erholungspausen etwa 40 Minuten: 3 Fragen zur Lebensqualität, 2 zum Trainingsprogramm, 2 zur Teilnahme an anderen Aktivitätsangeboten, Six-Item Screener (Kognition), 1-Stufen-Treppentest (Ausdauer), 4-m-Gehtest habituell und forciert, Timed Up&Go mit und ohne kognitive Distraktion, 8-Punkte-Test der Schulterfunktion, Handkraft, 20-Cents-Test (Feinmotorik), Romberg-Stand, Einbeinstand, Five Chair Rise Test. Der um weitere Informationen ergänzte Barthel-Index („Barthel plus“) wird von/in Rücksprache mit einer an der Pflege beteiligten Person erhoben.

Schlussfolgerung: Die o.g. Zusammenstellung von Assessmentverfahren ist bislang bei über 200 pflegebedürftigen Personen bis zu fünfmal (alle 3 Monate) durch geschulte „Disability Assessors“ angewandt worden. Die Akzeptanz ist hoch, zu unerwünschten Effekten durch die Untersuchungen kam es nicht. Erste Ergebnisse sprechen für die Eignung der Instrumente zur Abbildung klinisch relevanter Veränderungen.

Diskutantin: C. Renner, Bad Harzburg

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